In Europa ist Anne McCue noch ein unbeschriebenes Blatt. In ihrem Heimatland jedoch, gilt die Australierin als eine der vielversprechendsten Newcomerin der letzten Jahre. Nun wird die sympathische Blondine ihr Album "Roll" auch in Europa veröffentlichen. Man kann sich auf eine Mischung aus Rock, Country, Blues und Indie-Pop einstellen. Wenn man einen Song schreibt, dann sollte man versuchen die Wahrheit zu sagen . So beschreibt Anne ihre Art mit Musik umzugehen und verarbeitet deshalb ihre Erlebnisse in kleinen Geschichten, die sie dann auf ihren Alben erzählt. "Roll" ist ein ziemlich düsteres Album geworden, voller Melancholie und Texten, die nachdenklich stimmen. Wobei die Instrumentalisierung sehr einfach gehalten wurde. AnneMcCue hat ein gespaltenes Verhältnis zu Verzierungen jeglicher Art an Songs. Zwar gefallen ihr Streicherarrangements in gewissen Songs, doch wollte sie ihr Album möglichst simpel da man so am besten an das "Live-feeling" herankomme. Der Opener auf "Roll" ist die Ballade "I want you back". Ähnlichkeiten zwischen Sheryl Crow sind besonders bei diesem ersten Song nicht von der Hand zu weisen und auch im weiteren Verlauf der LP wird der Hörer immer mal wieder an Sheryl Crow denken müssen, wenn er Annes Songs hört. Trotzdem schafft sich Anne ihren ganz eigenen Stil. Auch "50 Dollar Whore" handelt von einer gescheiterten Beziehung, dieser Song wirkt jedoch viel intensiver und ehrlicher als der erste Track. Thematisch reiht sich dieser Track in die Gruppe anderer Songs die dem Album seinen Charakter verleihen. Songs, die schmerzvoll klingen, von Zynismus, Melancholie und Trauer dominiert werden, wie beispielsweise "Milkman's Daughter", "Stupid" oder "Gandhi", ein Song, der sich immer mehr in eine düstere Intensität hineinsteigert. Heißt es in der ersten Strophe noch. I wanted to be like Jesus/ But I turned out like Judas, steigert sie sich in der letzten Strophe zu folgender Aussage: I wanted to be like Gandhi/ But I turned out like Hitler/ A little whacked of power/ I killed'em all in my finest hour. Im Booklet stehen unter diesem Song die Worte geschrieben "Remember To Breathe". "Roll" besitzt jedoch auch eine andere Seite. Der Titeltrack des Albums beispielsweise ist ein wunderschönes Rockstück, voller treibender Energie, der von Annes Stimme an Form und Kraft gewinnt. Der letzte Song "Ballad Of An Outlaw Woman", schließt das Album mit sehnsuchtsvollen, melancholischen Klängen abschließt. Anne McCue schuf mit "Roll" ein Album, das in sich eine unglaubliche Harmonie verinnerlicht, die genauer betrachtet in einem großen Widerspruch erscheint. Wundervolle Melodien lassen den Hörer träumen, sich von Annes sanfter Stimme treiben zu lassen. Die Texte sind jedoch voller Sehnsucht ( Never was a man so mean/ Never was a shot so clean -Ballad Of An Outlaw Woman). In Australien bezeichnen Kritiker "Roll" als eines der besten Alben 2004 und auch für mich ist "Roll" ein Album, dass sich wirklich lohnt.