Sicherlich war "Lullabies To Paralyze" in den letzten Monaten eines der spannensten Themen, dass jegliche Neugierde extrem auf die Folter zu spannen wusste. Denn ob der Nachfolger des großartigen Erfolgsalbums "Songs For The Deaf" dies nur annähernd toppen könnte, schien ein Ding der Unmöglichkeit. Gerade auch, weil es sehr ungewiss war, wie wichtig sich der Einfluss von Bassist Nick Oliveri auf bisherige QOTSA Alben verhielt. Doch allen Unkenrufen entgegen haben es Josh und seine Jungs wieder einmal geschafft. "Lullabies To Paralyze" ist ein großartiges Album und findet in einem Parallelklangkosmos zu "Songs For The Deaf" mehr als seine Berechtigung. Das Album ist ein weiterer Meilenstein, und die Queens taten gut daran, nicht zu versuchen, die leichte Zugänglichkeit die Vorgängeralbum besitzt, abermals zu kopieren. Damit hätten sie zwangläufig Schiffbruch erlitten, und bei weitem nicht das kreative Potenzial der Band ausgeschöpft. Was eindeutig auch für "Lullabies To Paralyse" spricht: Es gibt im Gegensatz zum Vorgänger keine nervigen Radioüberblendungen zwischen den Stücken. Zwar rutscht das vierte Album aus der Schmiede der Queens nicht so leicht durchs Ohr, aber gerade die vielen kleinen musikalsichen Widerhacken sind die essentiellen Anker, um die Platte auch langfristig spannend zu halten. Die Gesichter der A&R’s von Universal wären sicherlich auch ein Foto wert gewesen, denn das vierte Album ist keine so leicht verdauliche Kost, und der einzig radio- und massentaugliche Song mit dem für "Songs For The Deaf" typischen Drive ist "Little Sister". Und der wurde ja gleich mal als Vorbote des Albums ins Rennen geschickt. Die anderen Songs haben ihr nicht zu verachtendes Schwergewicht auf einem anderen Focus, der sich psychodelischer, abgefahrener und "freakliger" definiert. Typische Vertreter hierfür sind "Someones In The Wolf" oder "Skin On Skin". Aber allein schon der Opener "This Lullaby" ist die richtige Einstimmung auf die folgenden großartigen Songs. Mark Lanegans Stimme treibt einem im gleichen Moment, in dem er das Blut in Wallung bringt, den eiskalten Schauer einmal quer über den Rücken. Die magsiche Ausstrahlung dieses Mannes transporiert sich auch in seine Stimme, und verleiht daher dem Stück eine ganz besondere Magie. Der Folgesong "Medication" ist dann ein typischer Queens-Song. Schnelle Gitarrenriffs, gute Hooklines, und Josh Hommes unverkennliche Stimme. Aber was danach kommt, ist der Überhammer. "Everbody Knows That You’re Insane" hat zumindest zu Anfangs einen bluesigen Charakter, der sich dann im stonertypischen Gitarrengeschrammel aufzulösen weiß. Wem auch immer das Lied gewidmet ist, er darf sich geehrt fühlen. "Burn The Witch" hingegen hätte auch auf der letzten Desert Session 9/10 sein können, die ja manche als die neue QOTSA-Platte interpretierten. Wenn Josh von Mark unterstützt den Mittelpart des Songs sind, hält man inne, und nach dem ganzen Trouble im Sommer letzten Jahres ist kann sich Josh glücklich schätzen, dass er sich noch vor Aufnahme des Albums mit Mark aussprach, was ihm eine Mitarbeit an der neuen Platte ermöglichte. Und je öfter man das neue Album hört, desto direkter verliebt man sich in die Stücke. Jeder einzelne Song verdient es eigentlich, hier eine Einzelbesprechung zu bekommen. Aber fassen wir noch die besonderen Auffälligkeiten von „Lullabies To Paralyze“ ins Auge. Das ungewöhnlichte Stück und zugleich ein ganz großer Lovesong ist „I Never Came“. Es hat etwas von der Sensibilät des Audioslavestücks "Like A Stone" in seinem ruhigen Grundton, der aber im Refrain einen wahren Orkan an Emotionen zu entfachen weiß. Josh singt jedem direkt ins Herz und lässt damit Widerstand zwecklos erscheinen. Das Stück ist ein absoluter KO-Schlag und haut einfach alles um. Abschließend kann man sagen, dass sich die Nachkömmlinge der Götter des Stonerrocks von all den vorauseilendem Erfolgsschatten des Überalbums "Songs For The Deaf" ungehindert freispielen konnten. Zwar ist "Lullabies To Paralyze" verglichen mit "Songs For The Deaf" ein eher ruhigeren Grundcharakter, was sich aber ungehindert mit der QOTSA-typischen Drucklastigkeit und Schwere in den Stücken ungehintert vereinen lässt. Die unvergleichliche Art und Weise im Arrangement, aufbrausend und sensibel zugleich verunsichern auf angenehme Weise. Das Platte ist wirklich großartig und ruft auch ganz ohne Drogen Stimmungen hervor, die mit deren Wirkungen durchaus vergleichbar sind. Nicht zu vergessen der Hiddentrack mit Blasorchester, der ein Albums voller Eigenart, Eigensinn und Eigenschaft krönend beschließt. Thanks Josh, you did it again!