Wer Beck kennt, weiß, dass egal wie sein neues Album klänge, es vermutlich kaum etwas mit dem sehr ruhigen, melancholischen und orchestralen "Sea Change" zu tun haben würde. Und in der Tat widmet der Meister der Stilvermischungen sich auf "Guero", was so viel wie "weißes Bürschchen" heißt, wieder viel stärker dem Dancefloor als der Chill-Out-Lounge. Dafür garantieren nicht zuletzt die erneut produzierenden Dust Brothers und die Herren der Turntables King Gizmo und EZ Mike. Folgerichtig wird auf der Scheibe mal wieder in bester "Odelay"-Manier gesamplet und gescratcht, dass es eine Art hat. Bei den Soundeffekten wurde freilich hier und da ein wenig übers Ziel hinaus geschossen, sonst wären dem Hörer C64-Atari-Sounds wie im Intro zu "Girl" sicherlich erspart geblieben. Neben dem spanischen Albumtitel finden sich auf der Scheibe noch zahlreiche andere hispanische Einflüsse bei der Instrumentierung und den Lyrics ("Que onda guero?"), was aber bei dem Aufnahmeort L.A., Kalifornien nicht weiter verwundert. "Guero" wirkt, als habe Beck aus allen bisher verwendeten Ecken der musikalischen Landkarten ein Steinchen unterbringen wollen. Mal wird wie im Opener "E-Pro" regelrecht gerockt, mal groovt er mit seinem typischen Dancefloor-Folk durch die staubige Prärie ("Scarecrow") oder versetzt den Hörer zurück in den melancholisch dahin treibenden "Sea Change" ("Broken Drum"). Ohne Zweifel verstehen die Musiker ihr Handwerk, nur leider ergeben die für sich genommen teilweise durchaus passablen Einzelteile kein schlüssiges Gesamtbild. Was allerdings noch viel schwerer wiegt als das bunte Wirrwarr der Stile und Anleihen ist eines: das ganze ist erstaunlich langweilig. Da können die Streicher noch so ausgefeilt sein, die Gitarren sich noch so ins Zeug legen, nach Joao Gilberto zu klingen. Der Funke will auch bei mehrmaligem hören einfach nicht so recht überspringen. Was bei "Sea Change" noch eine Stärke war - das Album war schließlich dazu gedacht war, beim Einschlafen gehört werden zu können - verkehrt sich auf "Guero" in eine klare Schwäche. Ein bisschen wurde die neue Veröffentlichung von Beck schon von der Tatsache überschattet, dass das schmächtige musikalische Multitalent nun scheinbar offiziell zum Kreise der prominenten Scientology-Anhänger zählt. Bei der Bewertung seines neuen Werkes sollte solch eine fragwürdige Orientierung freilich keine Rolle spielen. "Guero" ist ein technisch gut gemachtes Album mit einer bemerkenswerten Vielseitigkeit, dem trotzdem das gewisse Etwas, ein begeisterndes Moment, der mitreißende Schmiss, fehlt. Die Melodien bleiben zwar teilweise hängen, aber irgendwie zu schwammig, zu fade. Erleuchtet klingt das jedenfalls nicht.