Mit dem dritten Longplayer schicken sich Amstrong aus Dänemark an, auch in Deutschland Ehre und Ruhm zu erfahren. Falls diese Prognose nicht eintrifft, kann es zumindest nicht an der Band liegen. "Lack of you" ist unmissverständlich eine hell schimmernde Perle des musikalischen Spätsommers. Dabei war es doch bemerkenswert, welch' eigenartige Vergleiche man im Vorfeld des Releases in der Fachwelt anstellte. Da war von "Elfen" und "märchenhaften Songs" die Rede, so dass mancher Sigur Rós Fan sich schon genötigt sah, das Warten auf die anstehende Scheibe der Isländer mit Amstrong zu verkürzen. Vor diesem Etikett sei nachdrücklich gewarnt. Amstrong sind zwar Nordlichter, haben aber mit Sigur Rós, Efterklang oder Múm herzlich wenig gemeinsam. Die Inspiration der Kopenhagener liegt eher im klassischen Alternative-Revier, manches erinnert an King Crimson, manches glaubt man zumindest so noch nie gehört zu haben. Mit ihren reich ausgekleideten Indie-Popsongs, ihren sehnsucht-schwangeren Texten und den ohrwurmhaften Melodien graben sich Amstrong ohne große Umwege ins Bewusstsein des Zuhörers. Einen großen Anteil daran hat auch die ausdrucksstarke Stimme von Sängerin Marie-Louise Munck, die in ihrer fachlichen Perfektion manchmal an Tarja Turunen von Nightwish erinnert. Die neun liebevoll produzierten Tracks haben praktisch durchweg Hitpotenzial. Besonders beeindruckend kommt das Stück "Everywhere" daher, dessen Refrain bereits nach dem ersten Hörgenuss noch Tage in den Synapsen steckt. Eher verwischt und rätselhaft, deshalb aber nicht weniger attraktiv kommt dagegen der Titelsong "Lack of you" daher. Hier gräbt man sich als Hörer durch eine nebelartige Wand von Programming- und Gittaren-Arrangements. Wer also Freunde und Bekannte mit einem Geheimtipp beeindrucken will, sollte demnächst mal die hier besprochene Scheibe aus der Jackentasche ziehen. Allerdings wirklich demnächst, sonst sind Amstrong kein Geheimtipp mehr.