Black Rebel Motorcycle Club fordern mit diesem dritten Album einiges von ihrem Publikum, bereits der Opener "Shuffle Your Feet" macht mit seinem mantrischen Acapella-Intro ("Time won't save our souls") und den dann einsetzenden Hand-Claps und Akkustik-Gitarren unmißverständlich klar, dass irgendwas mit ihrem Rock N'Roll passiert ist. Betonte das letzte Werk "Take Them On, On Your Own" noch ihre dunkle, rockige Seite, nimmt "Howl" einen anderen, unerwarteten Kurs in Richtung Americana, in Richtung einer Musik, die man "American Gothic" nennen könnte. Als ihre Vorbilder The Jesus And Mary Chain 1994 mit "Stoned And Dethroned" Ähnliches versuchten – nur spiegelverkehrt – scheiterten sie daran kläglich. Aber die Brüder Reid sind eben Briten, während Black Rebel Motorcycle Club Amerikaner sind und diese Art von "Folk" wohl schon mit der Muttermilch aufgesogen haben dürften. So ist "Howl" durchtränkt mit Elementen aus Gospel. Folk und Country, gut ein Drittel der Stücke besteht aus akustischen Nummern, die man ohne Probleme am Lagerfeuer in den pechschwarzenStunden vor der Morgendämmerung bringen könnte. Lag es daran, dass die Band kurzzeitig zum Duo geschrumpft war (Drummer Nick Yago flog wegen Drogenproblemen raus, er ist jetzt wieder dabei, aber nur auf einem kleinen Teil des Albums zu hören) oder hat sie das endlose Touren in der Vergangenheit seelisch etwas überfordert? Die Texte auf "Howl" sind voller Sehnsucht nach Erlösung, die man sich nicht etwa via Drogen, sondern über Spiritualität erhofft, Songs hier heißen beispielsweise "Devil's Waiting", "Restless Sinner" oder "Gospel Song". Der Name "Jesus" fällt gleich mehrfach, eine bemerkenswerte Wandlung für eine Band, die vorher eher durch ihre "Fuck You Man!"-Haltung aufgefallen war und die ihr letztes Album noch mit dem Satz "We don't like you //We just want to try you!" eröffnete. Der erste Hördurchgang ist dann auch der Härteste, hat man ihn überstanden und nähert sich "Howl" erneut, merkt man recht schnell, dass Black Rebel Motorcycle Club vielleicht anders klingen mögen, die manische, dunkel-kraftvolle Atmosphäre hat ihre Musik nicht verloren, ganz im Gegenteil: "Complicated Situation" etwa klingt mit seinen akustischen Gitarren, Mundharmonika und wütendem Gesang sehr angenehm nach dem Bob Dylan der Mittsechziger Jahre, an anderer Stelle schimmert "Exile On Mainstreet" von den Rolling Stones durch. Ein Album, welches die Kritik 1972 zunächst in der Luft zeriss, weil es zu roh und "unfertig" klang, erst gut zehn Jahre später erkannte man die zentrale Bedeutung und revidierte sich. Hoffen wir, dass "Howl" nicht ein ähnliches Schicksal erleidet, denn man kann es nicht anders ausdrücken: Black Rebel Motorcycle Club haben ein Meisterwerk vorgelegt, welches um so mehr beeindruckt, da die Band nicht einfach auf Nummer Sicher gegangen ist, sondern nach ihren eigenen Regeln spielt. Da ist die "Fuck You"-Attitüde ja wieder!