Vorüberlegung: Brain Failure kommen aus China, sie entstammen der ersten Generation, die nach der kommunistischen Revolution von 1949 in einem einigermaßen stabilen politischen Klima aufwuchs, sie waren die ersten chinesischen Musiker, die sich Iros schnitten. In einem Land, in dem ein Iro noch ein politisches Statement ist und nicht etwas, was das gelangweilte Kind sich am Samstag Abend schnell mal macht, um Mami und Papi beim Frühstück am Sonntag zu schocken. In China kauft man seine Nietengürtel nicht bei H&M, hier ist Punk noch absoluter Underground und eben kein Volkssport für modebewußte Teenies im Konsum-Wunderland. Zum Glück fegt "American Dreamer" solche Überlegungen dann sehr schnell beiseite mit seinem liebevoll-anachronistischen 1-2-3-4-Punkrock der britischen 1977er Schule. Einer Zeit als Punk noch nicht in Hardcore übergegangen war. Musikalisch orientieren sich Brain Failure dann auch am ehesten am Rebel-Rock der frühen Clash, vielleicht eine naheliegende Wahl, wenn man unter einem Regime aufgewachsen ist, welches noch 1989 aufsässige Studenten gnadenlos niederschießen ließ. "American Dreamer" ist bereits das zweite Album der Band und wurde in ihrer Heimat schon vor einem Jahr veröffentlicht, jetzt soll auch Europa in den Genuß kommen. Und zurecht, denn die Band kennt ihre Wurzeln: Es dominieren also schnelle, aufrüttelnde, kompakte Stücke mit typischen Chorgesängen, dazwischen streut die Band immer wieder Elemente aus Ska und Reggae ein, was speziell in Stücken wie "Holy bullshit" oder "Such a dangerous" sehr gut kommt. Sänger Xiao Rong hat die perfekte Stimme für diese Art von Musik, sie erinnert in manchen Momenten sehr angenehm an den jungen Joe Strummer und gibt den Songs das gewisse Etwas. Auch in den Texten beweisen Brain Failure, dass sie sehr genau beobachten, was um sie herum vorgeht ("Coming to the USA", "Give me the cash") Fazit: "American Dreamer" mag ein altmodisches Album sein, es enthält tatsächlich keine einzige Idee, welche neuer als 1979 ist, aber darum geht es hier auch nicht. Was Brain Failure an Innovation fehlt machen sie locker mit enormer Spielfreude, Energie und guten bis sehr guten Songs wett. Irgendwann kommt noch heraus, dass die Chinesen ganz unbemerkt die Zeitmaschine erfunden haben und die Jungs direkt aus dem London des Jahres 1977 "importiert" haben. In diesem Sinne: Fun and Fight Tonight!