Es gibt wohl kaum einen Metalfan, der es geschafft hat, an Hypocrisy vorbei zu kommen. Sei es durch die massive Präsenz auf Festivals und Konzertbühnen, oder die inzwischen zweistellige Zahl an Alben, die auf Plattentellern in der ganzen Welt rotieren. "Virus" ist das zehnte im Bunde und erwartungsgemäß haben Hypocrisy es erneut geschafft, den eigenen unverwechselbaren Sound beizubehalten. Nach dem etwas unspektakulären Intro ballert "Warpath" gehörig drauf los und bezeugt, dass der mit "The Arrival" eingeschlagene Weg weiterverfolgt wird. Laut Peter Tägtgren wird auf "Virus" aber das auf dem Vorgänger etwas vernachlässigte Tempo weiter hochgefahren und auf Horghs (Drums) Fähigkeiten angepasst. Der inzwischen nicht mehr ganz neue Drummer tut dem Quartett hörbar gut, facettenreicher und vor allem schneller dröhnt sich "Scrutinized" seinen Weg in den Schädel. Auf akustischem Weg infiziert, muss der Hörer sich dem Virus ergeben, denn auch hier warten die Jungs neben thrash-beeinflusstem Geprügel mit dem Hypocrisy-typischen Ohrwurmrefrain in getragenem Tempo auf. Das folgende "Fearless" setzt dem noch eins drauf und nimmt altbekannte Elemente derart auf, dass man sich gar nicht entscheiden kann, ob es auf "The Arrival" oder gar "The Fourth Dimension" nicht auch schon gut aufgehoben gewesen wäre. Kriechend breitet der Virus sich weiter aus und erzeugt langsam aber sicher unkontrollierbares Genickzucken. Eingängig, aber nicht ohne Ecken und Kanten präsentiert sich das neue Album als Deathmetal-Brecher, der Catch 22-Zeiten vergessen lässt. "Craving For Another Killing" schließlich donnert im Höchsttempo heran, lässt den typischen Groove aber auch nicht vermissen. Energiegeladen und hochmotiviert wird hier ein abwechslungsreiches Songwriting zum Besten gegeben, das sich mit Hilfe der gewohnt dicken Produktion aus dem Hause Tägtgren zum Erlebnis für den Schwedentod-Fan mausert. "Let The Knife Do The Talking" schaltet wieder einen Gang herunter, überzeugt aber mit brachial-schleppendem Refrain und immenser Durchschlagkraft, das Genickzucken entwickelt sich inzwischen zum wilden Schütteln. Dies wird umso leichter, als die Songs durch die altbekannten Stilelemente nicht ganz unvorhersehbar sind. "A Thousand Lies" ist der nächste Song mit charakteristischer Midtempo-Athmosphäre und Peters eigenwilligen Growls. Die getragenen Soli und das heisere Gekreische erzeugen Gänsehaut an der Hirnrinde und langsam aber sicher beschleicht einen das Gefühl, dass "Virus" tatsächlich nicht viel mehr ist, als die Summe seiner Teile. Heißt in diesem Falle: Der Hypocrisy-Fan kann sich auf den typischen Sound gefasst machen, für den die Jungs berühmt sind. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Kontrastreicher, als auf den bisherigen Alben verbindet das neue Output alle Elemente eben dieser zu einer Mischung die zwar qualitativ herrausragend, aber eigentlich gar nicht so umwerfend neu ist. Mit "Blooddrenched" gibt's noch einmal den Brutalo-Deathmetalklopper auf die Mütze und "Living To Die" schließlich leitet das Album melancholisch-depressiv zum Ende. Ein gelungenes Auf und Ab der Spielarten und mit Sicherheit eines des besten Alben der Band, die sich hiermit nicht gerade neu erfindet, aber die gesamte Bandgeschichte bestens auf einen Punkt bringt.