Die neue Scheibe der Brides Of Destruction gehörte für mich zu den am meisten erwarteten Alben des Jahres. Das Debüt "Here Come The Brides" war eine wohlschmeckende Mischung, die stellenweise grandios war. Nach dem Abgang von Nikki Sixx hatte ich meine Erwartungen erst runtergeschraubt, dann dank des Einstiegs von Wildhearts-Mann Ginger wieder höher gesetzt. Doch schließlich war das kurze Intermezzo mit Ginger vorbei, bevor es richtig angefangen hatte. Ein paar Songs hat er allerdings hinterlassen. Scott Sorry bleibt der einzige Neuzugang. Nun, "Runaway Brides" beginnt mit schleppenden Pianoklängen so traurig, dass man beinahe glaubt, die verbliebenen Jungs um Tracii Guns ertrinken in Selbstmitleid über den Ausstieg ihres zu Mötley Crüe zurückgekehrten Kumpels. Der Opener "Aunt Biente" kriegt schließlich noch die Kurve zu einem echten Rocksong. "Lord Of The Mind" knüpft konsequent an das Vorgängeralbum an. Ähnliches gilt für erfreuliche Nummern wie "Criminal" und das wunderbare "This Time Around", das erneut wie ein trauriges Abschiedslied klingt. Dass "White Trash" als Single ausgewählt wurde, ist nachvollziehbar. Über dem ganzen Album schwebt ein dunkler Schatten. Die Party-Atmosphäre ist etwas gewichen, "Runaway Brides" ist düsterer geworden. Zum Teil ist das wohl gewollt, mitunter liegt es aber auch daran, dass mit Sixx ein Songwriter verloren ging, der mit Mötley Crüe unzählige Male bewiesen hat, dass er ein Meister der eingängigen Goodtime-Rock'n'Roll-Songs ist. In dieser Hinsicht erinnert das Album an Velvet Revolvers "Contraband", dem auch öfter die Elemente fehlen, die Axl Roses Songwriting ausgemacht haben. Trotzdem weiß die Platte auf ihre Art zu gefallen mit der bekannten Mischung aus Hardrock, Punk, Garage und ein paar Metalelementen. Und warum sollte den Brides Of Destruction mit diesem Album nicht der Sprung in MTV-Sphären gelingen? Musikalisch spielen sie schon in einer Liga mit Velvet Revolver, nur die Anerkennung fehlt noch, schließlich spielt mit Tracii Guns kein bekanntes Ex-Mitglied von Guns´n´Roses bei den Brides, sondern "nur" der Mitgründer, der ungeschickterweise noch vor den großen Erfolgen ausstieg. Mit diesem ordentlichen Album beweist er, dass sein Abschied von den L.A. Guns dagegen kein Fehler war. Und die Brides Of Destruction sind alles andere als eine Eintagsfliege.