Nach dem – freundschaftlichen – Ausstieg von Bassist Holly sind von Mad Sins Urbesetzung nur noch Sänger Köfte und Gitarrist Stein übrig, trotzdem ist bei der Berliner Punkabilly Institution alles beim Alten und das ist uneingeschränkt positiv gemeint! Es ist jedesmal aufs Neue faszinierend zu hören, wie reflektiert eine potentiell als derb verschrieene Truppe wie diese an ihre Studio-Alben herangeht und Köfte wäre der Allerletzte, der zuliesse, dass die Band einfach paar Songs aufnimmt und diese dann mal eben als "die neue Mad Sin" deklariert. Dazu ist der Mann selbst viel zu sehr Fan und weiss ganz genau, was man als Käufer zugemutet bekommen möchte und was nicht. So knallt auch das achte Studio-Album aus den Boxen wie ein brisanter Molotov-Cocktail in welchem sich Bewährtes und neue Elemente zu einer hochexplosiven Mischung vereinigen – im Bandjargon nennt man sowas "Fuel For Brains"! In den achtzehn neuen Songs steckt allerdings nicht nur Benzin für Hirne, auch der Rest des Körpers wird schön mit Brennbarem getränkt, das Ganze auf verbraucherfreundliche, intensive 44 Minuten reduziert. Der omnipräsente Slap-Bass erinnert dabei stets an die Wurzeln der Band, dazu kommen allerdings diesmal verstärkt Country-Elemente (was für einen sehr angenehmen Cow-Punk-Touch sorgt), ein deutlicher Surf-Einschlag und mit "Houdini's Pool" gar eine ganz absurde Nummer, welche mit ihrer Barmusik an Walt Disneys "Silly Symphonies" aus den frühen Dreißigern erinnert, jene legendären Zeichentrickfilme in denen sich Skelette plötzlich in Xylophone verwandeln und Mäuse aus Saxophonen fliegende Noten mit dem Zylinder einsammeln. Dazwischen eingestreut finden sich immer wieder Stücke im typischen Mad Sin-Stil und auch die Schnipsel aus Horror-Filmen, welche die Songs miteinander verbinden fehlen nicht. "Not Invited" kokettiert mit derselben "Wir sind zwar nicht eingeladen aber wir können Deine Party trotzdem ruinieren"-Haltung wie das Video zu "Fight For Your Right" (Beastie Boys), allerdings überträgt Köfte das gleich auf die gesamte Gesellschaft, welche gewisse Menschen nicht gerne auf ihrer "Party" sieht. Nach wie vor funktionieren seine Texte wieder nur oberflächlich als Zombie-Stories, tatsächlich sind sie jedoch vollgepackt mit doppelten Böden und Kommentaren zum Zeitgeschehen, allerdings stets aus einer sehr speziellen Perspektive. Fazit: Ein weiteres, sehr gutes Album, welches mit jedem Hören besser wird und der Band vielleicht doch ein paar neue Hörer bescheren könnte. Komme mir jetzt bloß keiner mit dem Argument "Nischenmusik", wenn dies wirklich eine Nische ist, bietet sie Platz für verdammt viele Leute. So anregend wie zehn Runden mit der Geisterbahn mit einer Überdosis Koffein im Blut, so gefährlich wie ein im Neonlicht aufblitzendes Rasiermesser und so elegant wie ein schwarzer Panther, der nachts zwischen Hochhäusern spazieren geht.