Die hundertste Hitsammlung von Klaus Meine und Co. ist die erste mit unbestrittener Daseinsberechtigung, da sie auf drei CDs fast die gesamte Karriere der Hannoveraner abdeckt. Aber nur fast! Die chronologisch fein säuberlich kompilierte "Platinum Collection" beginnt erst mit dem dritten Album "In Trance". Das Debüt "Lonesome Crow" ist vielleicht entbehrlich, aber das Zweitwerk "Fly To The Rainbow" mit Nummern wie "Speedy's Coming" und "Drifting Sun" nicht. Ansonsten erfüllt die Zusammenanstellung die Ansprüche des Komplettisten relativ gut. So ist etwa "Hey You" dabei, eine seltene Single, die "Animal Magnetism" erst in der Remasters-Neuveröffentlichung bereicherte. Vom besten Scorpions-Album "Blackout" hätte man wahrscheinlich jeden Song nehmen können. Auch das grandiose, obgleich etwas poliertere "Love At First Sting" ist würdig vertreten. Man wird auch wieder an Spitzensongs wie "Alien Nation" oder "No Pain No Gain" erinnert, die in den frühen 90ern etwas untergingen. Die dritte CD enthält die letzten zehn Jahre der Skorpione, von "Pure Instinct" bis zum jüngsten "Unbreakable", das die Band zurück zu ihren Wurzeln führte und fast kitschfrei begeisterte. Dazwischen gab es leider auch "dunkle" Momente in der stacheligen Historie, die ihren Tiefpunkt in dem orchestral begleiteten "Moment Of Glory" fand, der vor Pathos nur so triefenden Expo-Hymne. Auch "You And I" ist nicht gerade die originellste Ballade. Aber sie gehört dazu. Die "Platinum Collection" enthält ein Booklet mit Liner-Notes und diversen Fotos. (Herrlich: Matthias Jabs im David-Lee-Roth-Look mit Elvis-Brille und gelbem Streifenanzug.) Außerdem interessant: In der Discographie werden alle Alben mit Frontmotiv aufgelistet. Darunter ist sowohl das kurz nach Veröffentlichung zensierte (und zugegeben, sehr grenzwertige) Cover von "Virgin Killer", als auch beide Versionen des "Taken By Force"-Artworks! Die Anthologie hätte ruhig Fan-Favourites wie "Loving You Sunday Morning" (von "Lovedrive") oder "Robot Man" (von "In Trance") enthalten dürfen, auf "Moment Of Glory" und ähnliche Ausrutscher hätte man hingegen verzichten können. Bleibt zudem die Frage offen, warum speziell die zweite Platte ausgelassen wurde. Eine so umfangreiche Zusammenstellung kann ohne "Speedy's Coming" und "Drifting Sun" nicht die Bestbewertung erhalten. Dennoch ist die "Platinum Collection" ein musikalischer Hochgenuss. "Remember The Good Times" heißt der letzte Song. Genau!