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Entwicklung ist etwas, das so sehr zum Leben gehört, wie Schlaf oder Nahrung. Vor der Musik macht dieser Prozess eben so wenig Halt, wie vor uns Menschen.
Nun gibt es sowohl im eigenen Leben, als auch in der Musik die unterschiedlichsten Wege, damit umzugehen: Einige Bands tun einfach alles, um ihren urtypischen Sound beizubehalten und nicht vom Kurs abzukommen. Andere hingegen gestehen sich ihre Veränderung ein, und lassen sich frei nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel." von ihr in unbekannte Gefilde treiben. So zum Beispiel Akerkocke, die ihre kulturelle Reise als eine der fiesesten Black Metal-Bands der britischen Insel begannen.
Nach einigen Runden Besetzungs-Roulette ist vom Ursprung der Band nicht mehr viel erhalten. Da liegt es eigentlich nahe, daß auch der Stil der Band völlig umgekrempelt wurde. Das unterstreicht zum einen der beim vergangenen Album "Choronzon" getätigte Wechsel zu Earache Records, und zum anderen die totale Abwesenheit von Back-Metal-Klischees auf dem Cover des aktuellen Werkes "Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone". Erstmals verzichtete die Band dort nämlich auf entblößte Frauen, Ziegenschädel und Pentagramme.
Selbstverständlich haben sich demnach auch die angerissenen Töne längst gewandelt.
Im Jahre 2005 ist aus Akercocke etwas geworden, das vielleicht als Avantgarde Metal titulieren werden könnte. Der Black-Metal wurde dabei jedoch nicht abgelegt, sondern vielmehr ins neue Werk eingeflochten.
"Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone" lässt sich dank seiner Vielfältigkeit kaum in irgendeine Sparte stecken. Um Einflüsse zu nennen, müsste man wohl Bands von Cannibal Corpse bis Katatonia in einer viel zu langen Liste aufführen.
Was als einfacher Death Metal beginnt, überrascht recht früh mit immer neuen Klang-Facetten. So verstummt plötzlich Gegrunze und schafft Platz für klaren Gesang, der Erinnerungen an Moonspell oder Primordial zulässt. Aus Death- wird in fließendem Übergang Black-Metal. Lautstarke Wut weicht völlig unerwartet leiser, fast zerbrechlich anmutender Melancholie, die so schnell verschwinden kann, wie sie gekommen ist.
Es scheint fast, als würden Akercocke geradezu mit den Erwartungen der Hörer spielen, da diese kaum ahnen können, wie sich das aktuelle Stück in nur zehn Sekunden entwickelt.
Daß "Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone" dabei jedoch nicht zusammengeschustert wirkt, sondern im Gegenteil sogar ungeahnte Atmosphäre freisetzt, grenzt nicht nur fast an ein Wunder, sondern zeugt auch vom musikalischen Verstand der Band.
Bei all dieser Spielerei ist es gerade für Death-und/oder Black-Metaller
besonders erfreulich, daß der Progressiv-Faktor den Pro-aggressiv-Faktoren nicht ausschließt. Sofern gerade nicht umher melancholiert wird, geht es nach wie vor äußerst rabiat zu! Man merkt einfach, wie Akercocke sich in jedem Stil-Bereich heimisch fühlen.
Mal von den verbissenen Unkenrufen einiger Alt-Fans abgesehen, die der Band wahrscheinlich totale Aufgabe der eigenen Identität vorwerfen werden, gibt es beinahe nichts an der neuen Platte auszusetzen. Lediglich der Gesang sorgt etwas für Trauer, da er vereinzelt seine nervigen Momente hat, die der Platte am Ende ihren Perfekt-Status rauben.
Aus diesem Grund ist "Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone" leider auch "nur" ein geiles Album. Es wird besonders den aufgeschlossenen Gesellen eine lange Zeit der Freude bescheren, welche durch die Bonus-Disk, auf der der Enstehungsprozess der Platte dokumentiert wurde, auch nach dem eigentlichen Hören anhält.
Zugreifen lohnt also in jeder Hinsicht!
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