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Die Chance im Jahre 2004 ein Album in der britischen Top Ten zu plazieren, welches zu etwa 20% aus Tönen besteht, die 1:1 von einem Klaus Schulze- oder Tangerine Dream-Album der frühen Siebziger stammen könnten, liegt bei etwa 0 Prozent.
Dass die Verrückten von Kasabian genau das geschafft haben ist eigentlich schon ein Grund, sie zu lieben, aber damit nicht genug: Auch wenn die Ideen und Arrangements auf diesem Debut in bester Krautmanier sprießen, hat die Band es nie versäumt, all den Wildwuchs mit zwingenden Songstrukturen zu überlagern.
Das sind dann die Momente, in denen die anderen Einflüsse der Band ins Spiel kommen, nämlich Madchester-Rave ( The Stone Roses, Primal Scream) und The Jesus And Mary Chain via Black Rebel Motorcycle Club, Kombinationen, welche gleich reihenweise echte Killer produzieren: Egal ob "Club Foot", "Chemical Processed Beats", "L.S.F." oder die anderen zehn Songs – Kasabian scheinen einen wirklichen Überschuss an Kreativität zu haben, verlieren sich dabei ebenso in den Sphären ("ID"), wie sie locker mit dem Fuß auf dem Gaspedal rumtreten ("Reason Is Treason").
"Music is my love" singt Tom Meighan tödlich entspannt in "ID" und man glaubt ihm jedes Wort – wobei die Texte in allererster Linie die Babys von Multiinstrumentalist Sergio Pizzorno sind, der zusammen mit Gitarrist Christopher Karloff die Songs schreibt.
Sehr angenehm auch, dass Kasabian ihre Sounds schön dunkel in Szene setzen, die manchmal unangenehm studentischen Posen von Franz Ferdinand und The Killers gibt es hier nicht, diese Truppe wirkt stets ein bißchen unnahbar und rätselhaft!
Mit dem eigentlich aus der Elektro-Szene stammenden Co-Produzenten Jim Abbiss ( U.N.K.L.E., DJ Shadow oder The Music) gelang zudem ein echter Glücksgriff, welcher der Musik noch mehr Atmosphäre verleiht und sie teilweise in Bereiche bringt, bei denen man unmöglich noch sagen kann, ob hier komische Geräusche auf Musik projiziert werden oder umgekehrt.
"Kasabian" ist dabei aber nie esoterisch, sondern in jeder Sekunde purer, euphorisierender, schwer psychedelischer Pop und eine angenehme Alternative zu einigen anderen Bands, die ihre Songs zunehmend nach einer Formel zu schreiben scheinen.
Sollte so eine Formel bei Kasabian existieren, liegt sie garantiert im Giftschränkchen versteckt und die beste grafische Metapher für diese Töne liefert die Vinyl-Version des Albums, hier ist das Band-Logo auf der Vorderseite phosphorisierend – macht man das Licht aus, strahlt es ebenso giftgrün durch die Dunkelheit wie die Musik!
PS: Falls Euch jemand fragen sollte: Linda Kasabian war Mitglied der Manson Family und fuhr das Fluchtauto von Mr. Manson.
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