Das ist eine harte Nuss, die uns Elvis Costello da aufgetischt hat. Wie bewertet man Musikvideos, die zum Teil fast 30 Jahre alt sind? Zumal er und seine damalige Band "The Attractions" die ganze Sache ihrerseits nicht so ganz ernst genommen zu haben scheinen. Oder wie ist zu erklären, dass Steve Nieve, wenn gerade kein Keyboard zur Verfügung stand, einfach irgendein Instrument - sei es Elvis Costellos Gitarre oder eine Geige (!) - gespielt hat? Der Gedanke an diese postmoderne Playback-Verarsche und die resultierenden Lacher trösten jedoch nur kurz über die miese Qualität des Bildmaterials und die Tatsache hinweg, dass die Jungs eigentlich kein modisches Fettnäpfchen ausgelassen haben. In der Anfangszeit bestanden die Videos aus wenig mehr, als die Band in einem komplett weißen Raum oder an einem Strand, im Dschungel von Hawaii oder im Hafen von Vancouver beim umherhopsen zu Filmen, wobei die Kamera wie von einem Magnet angezogen um Costellos Zahnlücke zu kreisen scheint, auf welche der Zuschauer wiederum nicht aufhören kann zu starren. Fast noch trashiger sind diejenigen Videos, die versuchen, einem künstlerischen Konzept oder gar einem Plot zu folgen. Wenn die DVD-Technik es nicht erlauben würde, die sarkastischen und selbstironischen Audiokommentare (auch als deutschen Untertitel) von Elvis Costello hinzuzuschalten, einige der Machwerke aus den 80ern wie das Video zu "You Little Fool" oder "Everyday I Write The Book" (mit Doubles von Lady Di und Prince Charles!) wären nur schwer zu ertragen. Weitaus interessanter, wenn auch nicht unbedingt weniger beladen mit unfreiwilliger Komik, sind die neben der 27 Videos enthaltenen Special Features, unter denen sich Fernseh- und Festivalaufzeichnungen (Elvis mit pinkem Sakko auf dem Pink Pop Festival!) aus den Jahren 1977 bis 1983 finden. Auftritte wie in der niederländischen Sendung "Countdown" oder "The Tube" erinnern unwillkürlich an die glorreich geschmacklosen Zeiten von Dieter Thomas Hecks "ZDF-Hitparade" und Co. Wer schon mal Samstagnacht vor dem Fernseher gelandet ist, und Wiederholungen des legendären Beat Clubs aus den 70ern gesehen hat, weiß ungefähr, wovon die Rede ist. Nicht zu fassen, wie albern die Leute damals herumgelaufen sind und wie da getanzt wurde. Und nicht minder erschreckend, wenn man bedenkt, dass wir vermutlich in 30 Jahren genauso gesehen werden. Ich für meinen Teil bevorzuge es, seine Musik ohne bewegte Bilder zu genießen, zumal die Videosammlung 1994 endet und folglich keines der grandiosen Stücke von "Painted From The Memory", "When I Was Cruel" oder "North" vertreten ist. Aber auch ältere Hits wie "Alison" (bis auf einen kurzen Schnipsel aus der Show "So It Goes"), "She", "Almost Blue" oder "All The Rage" sucht man vergeblich, was zeigt, dass die Videoselektion nicht identisch mit einer Greatest Hits-Compilation ist. Eingefleischte Elvis Costello Fans und hartgesottene Nostalgiker werden sich "The Right Spectacle" vermutlich trotzdem zulegen wollen. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.