Das Münchner Label Elektrohasch gilt längst nicht mehr nur unter eingefleischten Psychedelic- und Stonerrockfreunden als Geheimtip. Durch qualitativ hochwertige Veröffentlichungen und die musikalischen Aushängeschilder und Szenegrößen Colour Haze, Rotor, Ugh! und Hainloose hat Elektrohasch in den vergangenen Jahren immer wieder maßgebende Standards im Genre gesetzt und ist zum Garant für die Veröffentlichung anspruchsvoller Alben avanciert. Dies wird durch Hainlooses aktuelle Scheibe "Burden State" einmal mehr bestätigt. Hainloose kommen ebenfalls aus München und scheinen auf den ersten Blick ein musikalischer Bastard aus Fu Manchu und den Queens Of The Stone Age zu sein. Als Inspirationen nennt die Band Clutch, die Stray Cats und Depeche Mode. Depeche Mode ist im ersten Moment schwer nachvollziehbar - ab dem zweiten Durchgang der Platte erahnt man jedoch warum - mit steigender Durchlaufzahl eines Hainloose-Silberlings steigt die Qualität der Songs und die einzigartigen Melodien entfalten ihre wahre Größe - genau wie bei Depeche Mode. Diese Fähigkeiten machten bereits Hainlooses Erstlingswerk "Rosula" zu einem höchst bemerkenswerten Album. Mit dem "Rosula"-Nachfolger "Burden State" legen die vier Hainloose-Jungs, um Initiator, Hauptsongschreiber, Sänger und Gitarrist Haris, die Latte nochmals höher und einige Kohlen nach. Die vier verstehen ihre Kunst wirklich vorzüglich. Neben Haris besteht die Band aus Daniel (Schlagzeug), Rico (Bass) und Mario (Gitarre), wobei letzterer die Band während der Aufnahmen verlassen hat, um sich seiner Hauptband Flexible zu widmen. Doch zurück zu Hainloose - in eine Schublade gepresst stünde auf dem Etikett: "Sehr knackiger, riffbetonter 70er Jahre infizierter Heavy-Bluesrock mit Anleihen aus Stoner-, Southern-Rock (Proud Of My Doom) und kantigem Blues. Der Sound ist sehr trocken und warm, gefühlvoll akzentuiert gespielt dabei wenig verzerrt. Die Musik wirkt stets lässig, elegant und sehr zurückgelehnt, hat dennoch unglaublich viel Drive." Schon der Opener "Recipe" rammt sich wie ein alles mitreißender Popappeal-Sandsturm in die geneigten Gehörgänge und wird aufgrund seiner "Yeah"-Widerhaken von dort auch so schnell nicht mehr verschwinden. Weiter gehts mit "Maryland", einem Stück bei dem sich der Adrenalin- und Testosteronausstoß des Zuhörers sprunghaft erhöht. "Move to the Mountain, once in a while, don’t need a valley, river’s running dry" Mit "Proud Of My Doom", was man getrost als originellen Doom-Blues bezeichnen kann, beweisen die Bajuwaren ihren Sinn für Humor und Haris wie abwechslungsreich seine Stimme ist. Es folgen die kraftvollen, einprägsamen Riff-und-Groove-Monster "Disconnected" und "M.O.H." - pure Energierammen die gleichzeitig beflügeln und die Augen vor Freude feucht werden lassen Das atemberaubend schöne "Cold Water", welches balladesk anfängt begleitet von einer solierenden Bluesgitarre sowie Haris einzigartigem Gesang ("Would we ever heal?"), verwandelt sich abrupt in einen mitreißenden Highwayrocker der mit seinem drogengeschwängerten Stonervibe in Mark und Bein fährt. Gekrönt wird "Cold Water" durch ein rückwärts abgespieltes Gitarrensolo sowie den großartig-hymnenhaften Refrain. Mit "Chernobilly" und "Broken Dams part I" folgen zwei reine Instrumental-Stücke wobei letzteres als Intro für den sich daran anschließen, gleichnamigen zweiten Teil fungiert. Die instrumentalen Stücke überzeugen auf ganzer Linie und zeigen wie perfekt die Band aufeinander abgestimmt ist und welche akustischen Delikatessen sich hinter den Liedern auch ganz ohne Gesang verbergen. Das originelle Outro "Barricades And Barrels" wirkt, dadurch dass es langsamer abgespielt wird als es aufgenommen wurde - tiefer und doomiger. Durch das weichgezeichnete Glockenspiel wird das Lied zu einem wunderbaren Schlaflied veredelt. Das viel zu frühe Ende des Albums wird mit einem textlichen Bezug zum Lied Maryland verdeutlicht - "Once in a while I leave the valley, river’s running dry". "Burden State" ist ein vollständig überzeugendes Album, das aus tighten und abwechslungsreichen Grooves sowie großartigen Hooks besteht. Besonders hervorzuheben ist neben der erdigen Produktion der authentische Gesang der mit viel Seele überzeugt. Man kann einfach keinen Schwachpunkt bei diesem Album ausfindig machen. Endlich gibt es aus diesem Genre mal wieder ein Album das einem die Nackenhaare aufstehen läßt. "Burden State" ist mein persönlicher Anwärter auf den Titel "Album des Jahres"