Nachdem Bosse im April des letzten Jahres mit ihrem Debütalbum "Kamikazeherz" unter den Indierock Insidern für einige Furore sorgten, folgt nun mit "Guten Morgen Spinner" ein starker und durchweg verknallter Nachleger, der den Verstand auf den Punkt bringt und das Herz dabei rockt. Was will man mehr. Intelligente Texte, die nicht in ihrer Schlauheit belehren wollen. Keine anstrengende Besserwisserei, und man fühlt sich auch nicht eingezwängt in der Nachsitzbank der Hamburger Schule. Bosse ist frei, mitreisend und lebensnah und verliebt in die kleinen Alltäglichkeiten, die einem in einer Stadt wie Berlin wiederfahren und den Horizont für das ganz Große zu öffnen wissen. Musikalisch energetisch und gelegentlich höhepunktartig ekstatisch erleben sich die Stücke in einem einzigen Rausch des Zuhörens jedes Mal auf’s Neue. Kein deutschsprachiger aktueller Künstler bringt die Dinge so auf den Punkt wie Axel Bosse, der nicht nur der Sänger der Band ist, sondern textlich als Hauptverantwortlicher für den lyrischen Gehalt von "Guten Morgen Spinner" gilt. Musikalisch haben Axels Mitmusiker Björn Krüger am Schlagzeug, Thorsten Sala an der Gitarre und Theofilos Fotiadis am Bass ganze Arbeit geleistet und eine Latte an musikalischen Schweißausbrüchen gekonnt vertont. Irgendwo zwischen Indierock, der an die Gitarren von Blackmail erinnern lässt, der Energie von Beatsteakssongs und einer Verspieltheit die Bosse eindeutig zu den nationalen "Vorzeigebands" definiert, ist das musikalische Zuhause der Berliner zu finden. Mit einem lächelnden Auge beschreibt Axel Bosse in seinen Texten das Leben. Alles scheint so nah, so vertraut, so bekannt. Und die Energie, die sich in seiner Musik wiederspiegelt, macht ihn zum Krieger seiner selbst. Das Lebensgefühl seiner Generation beschreibt Axel Bosse in dem Song die "Die Irritierten". Aber es geht auch noch intensiver. Das wird einem schnell bewusst, wenn der Nachfolger "Eigentlich, Eigentlich" den Geist wachrüttelt. Es lohnt sich wirklich, auf die Texte zu achten. "Frankfurt/Oder" ist dann das Liebeslied der Platte. Kein sinnloser Schmalz, sondern ein ehrlich beschrieben sensitives Gefühl umgibt dieses Stück, dass die Magie, die nur zwei verliebte Menschen miteinander teilen können, hörbar macht. Egal welchem der zwölf Songs auf "Guten Morgen Spinner" man sich näher widmet, die Platte hat keine musikalischen Tiefs. Tiefe findet man in der Bedeutsamkeit der Texte, die auf gerader Linie verdeutlichen, um was es geht, und sich nicht hinter Zweideutigkeit verstecken.