Die Liste der Veröffentlichungen, an denen Steve Hackett in seiner bisherigen Karriere sowohl als Solo-Künstler als auch als Songwriter und Gitarrist beteiligt war, liest sich lange. Zu den mitunter, für spätere Prog-Rockbands, einflussreichsten Alben zählen unter anderem die Genesis-Klassiker "The Lamb Lies Down On Broadway" oder " Selling England By The Pound" - auf beiden hat Steve Hackett die Gitarrensaiten gezupft. Seinen Solo-Katalog erweitert Steve Hackett nun mit dem "Metamorpheus"-Nachfolger "Wild Orchids". Erneut hat Steve Hackett ein ganzes Orchester um sich gescharrt - und um dem Album eine gewisse Kontinuität zum Vorgängeralbum zu vermitteln, engagierte er auch diesmal wieder Robert King (Keyboards, & Rhythmus-Gitarre), John Hackett (Flöte)und Rob Townsend (Saxophon, Klarinette). Das Ensemble wäre damit abgerundet. Und das hört man auch den Songs an - die Band und das Orchester ist hervorragend aufeinander abgestimmt. "Wild Orchids" ist eine Weiterentwicklung von "Metamorpheus" - hin zu einem Album, das von den Grundstrukturen, der Stimmungs- und Stilvielfalt an "Metamorpheus" oder auch "To Watch The Storms" erinnert, aber dennoch seine Neuheiten aufweist. So werden fernöstliche und karibische Klänge in "The Fundamentals Of Brainwashing" gekonnt zu einer hervorragenden Chill-Nummer verpackt, die etwas an die Songs bzw. den Stil der letzten Peter Gabriel-Alben erinnert. Unterdessen scheint das fünfminütige, orchestrale Instrumental-Stück "Set Your Compass" aus einem Film entsprungen zu sein. Der längste Track des Albums stellt das mit Sprechgesang ausgestattete "Why" dar - ein sehr funkiges Stück, das jedoch mit einem ebenfalls indisch angehauchten Gitarren- und Keyboardsolo für einen ersten Aha-Effekt sorgt, ehe es mit stampfendem Beat zu einer Art Cabaret-Soundtrack mutiert und dem Hörer erneut die experimentelle Seite Steve Hacketts offenbart. Bei "Ego And Id" geht es richtig rockig zur Sache. Der Song hat etwas Düsteres, was zum einen von den Stakkato-Gitarren, zum anderen vom sehr tiefen Sprechgesang herrührt - erneut hat man beinahe das Gefühl, einem Peter Gabriel-Album zu lauschen. Das Schlusslicht auf "Wild Orchids" bildet ein weiteres Instrumental-Stück namens "A Dark Night In Toytown" - hier steht vor allem im Verlauf des Songs ein tolles Klavier-Solo im Vordergrund, das etwas die Atmosphäre eines verträumten, nach Whiskey riechenden Jazz-Clubs aufkommen lässt, durch dessen an der Decke wabernden Rauchschwaden die Klänge eines einsamen Pianisten bis zur Bar durchdringen. "Wild Orchids" ist ein überdurchschnittlich experimentelles Rock-Album geworden, das so ziemlich alle Fans der Genesis-Hackett-Ära sowie auch von Peter Gabriel begeistern dürfte.