Soeben erschien mit "Shot To Hell" das wahrscheinlich beste Album der Black Label Society (was mein Redaktions-Kollege leider anders sah), schon müssen Wylde-Fans das Portemonnaie wieder öffnen. Das zweite DVD-Release der bärtigsten Band seit ZZ Top verspricht mehr als dreineinhalb Stunden (unübersetzbare) "Brewtality". Gefilmt wurde die bierselige Invasion in Paris und London, wobei das "London Chapter" mit nur vier fast identischen Tracks eher als Bonuszugabe zu sehen ist. Den Kern bildet also der Gig aus dem Elysee Montmartre in der französischen Hauptstadt. Schon das Gitarrenintro zieht das Publikum und den Zuschauer in den Bann. Wenn der Rest der Band einsetzt, beginnt ein Wahnsinn, der kaum laut genug sein kann! Der Ton entspricht dabei gängigen Standards, die Optik wartet hingegen mit einigen Besonderheiten auf. Neben ansprechend aufgemachten Splitscreen-Szenen werden diverse Spezieleffekte eingesetzt. So scheint das Bild zu brennen, die Sicht verschwimmt, der Hintergrund flackert. Schon beim ersten Song "Stoned And Drunk" fragt man sich, ob eine DVD eben diesen Zustand beim Konsumenten hervorrufen kann. In einem Wort: cool! Die Visualisierung verschiedener anderer Nummern sorgt immer wieder für zusätzliches Vergnügen. Was primär zählt ist natürlich die Show. Und die Black Label Society lässt sich in Paris nicht lumpen, liefert eine energiegeladene Show auf höchstem Niveau ab. Das extatische Publikum tut sein Übriges. Als Zakk zur Akustik-Gitarre greift ("Solo Acoustic Jam") und ein paar Akkorde von Ozzys "Mama, I'm Coming Home" anstimmt, singt jeder mit. Die Magie der Performance dringt bis ins Wohnzimmer. Momente wie diese machen den Kauf schon rentabel, doch damit nicht genug: Ein Bonus-Track holt ja heute keinen Rocker mehr aus dem Moshpit, geschweige denn vom Sofa. Die zusätzliche ganze DVD ist da schon obligatorisch. Neben dem "Backstage Pass", einer fünfzigminütigen Featurette, enthält sie die Musikvideos von "Suicide Messiah" (inklusive Making-Of), "In This River" und "Fire It Up". Das Pariser Kapitel erreicht seinen Höhepunkt mit "Genocide Junkies", als der BLS-Leader ein Dutzend Fans auf die Bühne holt und einem von ihnen schließlich seine Gitarre umhängt. Der legt daraufhin richtig los und jammt mit der Band bis zum Finale. Ein sichtlich begeisterter Zakk Wylde beschränkt sich aufs Singen und versorgt den coolen Fan mit Bier. Zum Abschied fordert er Applaus für "diesen Rock'n'Roll-Kollegen" und umarmt ihn, bevor dieser im wahrsten Sinne des Wortes wieder untertaucht. Zakk Wylde: Ein authentischer Typ, ein Vollblut-Rocker. Black Label Society: Eine der besten Hardrock- und Metalbands unserer Zeit. Diese DVD: 100 % Rock'n'Roll, ein Pflichkauf für jeden Headbanger.