Es wird eindringlich davor gewarnt, dieses Album beim Autofahren oder an einem Montagvormittag zu hören, da die einschläfernde Wirkung der Musik in solchen Momenten nicht unterschätzt werden darf. Sehr viel besser passen Momente, in denen Lethargie erlaubt, ja, unumgänglich ist. Die perfekte Atmosphäre für dieses Album? Brütend heiße bis schwüle Sommernächte. Setzt euch auf den Balkon, setzt euch an den Fluss, wenn es einen gibt, und stellt euch vor, in New Orleans zu sein. (Im Winter tut es auch ein dampfend heißes Bad.) Das haben Brightblack Morning Light vielleicht auch getan. Nathan Shineywater und Rachel Hughes sind das Herz der Band und stammen ursprünglich tatsächlich aus den Südstaaten der USA, nämlich Alabama. Ihr Lebensmittelpunkt befindet sich mittlerweile jedoch in Nordkalifornien. Hier haben sie einen Großteil der Songs auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum während ihrer Wanderungen im Point Reyes National Seashore aufgenommen. Meine Fluss-These passt also in etwa. Tatsächlich geben die beiden ihren Songs Titel wie "A River Could Be Loved", "Star Blanket River Child" oder "We Share Our Blanket With The Owl". Befreundet sind Brightblack Morning Light mit anderen Mitgliedern der Neo-Hippie- bzw. Folk-Bewegung, so Devendra Banhart oder Will Oldham, erinnern musikalisch dank ihrer Gospel- und Blues-Anleihen jedoch eher an Spacemen 3 / Spiritualized, wobei letztere im Vergleich allerdings geradezu hektisch wirken dürften. Harmonische Stimmen, zartes Pianogeklimper, Slideguitar, und ab und zu durchbricht der helle Klang einer Flöte den sumpfigen Sound auf "Brightblack Morning Light". Wie eingangs schon angekündigt, ist dies keine Musik, der es gut tut, einfach nebenbei gehört zu werden. Erst durch die volle Aufmerksamkeit erschließt sich das wunderbare Zusammenspiel von Rhythmussektion und dahingehauchtem Gesang. Auch wenn selbst dann nicht garantiert ist, Nathan Shineywaters Lyrics zu verstehen, aber vielleicht ist das hier auch gar nicht wichtig. Wer keine Lust hat, sich einfach hinzugeben, könnte allerdings leicht zur selben Schlussfolgerung kommen wie der Reviewer des SPIN Magazine: "Sounds like the Band is in a coma". Laut Pressewisch ist Shineywater übrigens ein Verfechter des Einsatzes von Pilzen, mit deren Hilfe nicht nur das Gefühl der Naturverbundenheit, sondern auch das gesellschaftliche Gemeinschaftsbewusstsein – so Shineywater – gesteigert werden könnten. Wie war das noch – taking drugs to make music to take drugs to?