Lange sah es so aus, als würde die 2001er EP "Acrophobe" und das 2002er Album "Houston, We Have A Drinking Problem" der einzige kreative Output des siebenköpfigen Projekts Bad Astronaut bleiben. Zwar hatte der Kopf der Unternehmung Joey Cape (Lagwagon, Me First And The Gimme Gimmes) schon seit fast vier Jahren am zweiten Album gearbeitet, der Zustand von Drummer Derrick Plourde hatte die Fertigstellung jedoch unmöglich gemacht: "Throughout the 4 years we spent periodically working on this record, Derrick was often in no condition to record. Sometimes I had no idea where he was sleeping or wether he was even alive." Ein tragische Ende nahm die Zusammenarbeit der beiden Freunde durch den Selbstmord von Derrick Plourde im Jahr 2005. Spätestens nach diesem schweren Schlag und aufgrund der durchwachsenen Qualität des bis dahin aufgenommenen Materials stand das Ob und Wann der Veröffentlichung von "Twelve Small Steps, One Giant Disappointment" vollkommen in den Sternen. Ein erster Schritt zur Verarbeitung des Verlustes war für Joey Cape die Aufnahme des aktuellen Lagwagon-Albums "Resolve", aber um seinen toten Freund zu ehren und einen mentalen Abschluss zu finden, nahm er auch die Bruchstücke des Bad Astronaut-Materials wieder in die Hände: "I knew many of the songs [...] would need to be reconstructed or re-written entirely. I spent a month directly patched into a Pro Tools session with a guitar, playing along to Derrick's drum tracks, trying to re-establish the effortless chemistry he and I have always had." Nach Joeys Aussage war der Versuch, mit einer nicht mehr anwesenden Person zusammenzuspielen, oft eine selbst auferlegte Folter, in anderen Momenten allerdings auch eine spirituelle Erfahrung. Ob die mühsame Trauerarbeit Joey Cape letztendlich geholfen hat, kann nur er beurteilen. Fest steht jedenfalls, dass das musikalische Resultat höchst hörenswert ist. Ähnlich wie beim ersten Album ist das Tempo im Vergleich zu Lagwagon deutlich herausgenommen und an die Stelle von flotten California-Punk-Gitarrenwänden tritt eine einfühlsamere und vielseitigere Instrumentierung, die auch vor Streichern (Angus Cooke am Cello), Pianos und Synthesizern (Jonathan Cox, Todd Capps) und Akustikgitarre (Joey Cape und Thom Flowers) nicht halt macht. Eine Affinität zu letzterem hatte Cape schon auf seiner "Acoustic"-CD bewiesen (Joey Cape & Tony Sly), insofern sind die gefühlvollen und rein akustisch begleiteten Tracks "Minus", "Violet" (bereits auf besagter "Acoustic"-CD in anderer Version als unreleased track vorhanden) oder "The Thirteenth Step" keine Überraschung. Songs wie "Ghostwrite", "Stillwater, California" und "The ‚F' Word" haben bei Fat Wreck Chords zu der Einschätzung geführt, das neue Bad Astronaut-Album wäre in der Lage, die Lücke zwischen Punk-Rock und Indie-Rock nahtlos zu schließen, was bei aller Anerkennung der erreichten Vielschichtigkeit vielleicht doch ein bisschen optimistisch ist. Denn abgesehen von der Tatsache, dass man bei Joey Capes markanter Stimme ohnehin unweigerlich an Lagwagon denkt, finden sich auf "Twelve Steps..." zweifelsohne schmissige Pop-Punk-Nummern wie "Good Morning Night", "Go Humans" oder "Autocare", die allerdings durch Keyboards und andere Effekte aufgepeppt wurden. Unterm Strich kommen bei Bad Astronaut also sowohl Fans des Seitenprojekts, als auch Fans von Joey Capes Akustik-CD und der Hauptband Lagwagon auf ihre Kosten und können bei genauerer Betrachtung der Texte Anteil am tragischen Verlust eines Freundes nehmen. Ein paar Zeilen aus dem Track "Beat" bringen das vollbrachte am besten auf den Punkt: Today, I finished what we started, Today, I thought you might be proud, We have recorded your defeat An album always incomplete.