Wenn Noumena in dieser Qualitätszunahmespanne weitermachen, ist spätestens das vierte Album der Band ein Meisterwerk. Schon das jetzt vorliegende Zweitwerk kann sich absolut sehen lassen. Um den bei dieser Band ja sehr beliebten Vergleich zu Amorphis heran zu ziehen: Der Qualitätsunterschied von der ersten zur dritten Amorphis-Scheibe ist in etwa so groß wie der Unterschied von Noumena's Debut "Absence" zu "Anatomy Of Life". In jeder Hinsicht überragt die Qualität dieses Albums den Vorgänger um Längen. Es gibt jede Menge Ohrwürmer, die so genial sind, dass sie tagelang im Ohr hängen bleiben. Von den netten, aber belanglosen und wenig eingängigen Melodien des Debuts ist nichts übrig. Jeder einzelne Gitarrenpart frisst sich sofort ins Ohr. Hinzu kommen Refrains der allerfeinsten Sorte. Das Fehlen derselben war das ganz große Manko des ersten Albums, und dieses Problem wurde meisterhaft behoben. Egal ob der Opener "Misanthropolis" bei dem, wie bei einigen anderen Songs auch, der Grunzgesang mit einer weiblichen Stimme konterkariert wird, das ruhigere "Monument Of Pain" oder das fast an Cemetary oder Sentenced erinnernde "Triumph And Loss", es gibt gleich drei ganz große Hits, aber auch der Rest braucht sich nicht zu verstecken. Auch das mit akustischen Gitarren und klarem, sehr schön durchdringendem aber nicht zu hohen weiblichem Gesang ausgestattete "Through The Element" ist ein Highlight, und "Marionettes" verfügt über den genialsten Gitarrenlauf seit "The Castaway". Natürlich werden auch aufgrund der besonders tief gegrunzten Stimme Erinnerungen an frühere Amorphis geweckt, aber das ist kein Schaden, da Noumena noch genügend eigene Ideen haben. Zwar mögen Konzept und Sound typisch skandinavisch, nein noch besser: typisch finnisch sein, aber mit ein gut produzierten, grandios eingängigen und spannenden Album wie "Anatomy Of Life" dürften Reminiszenzen an musikalische Mitstreiter eher den anderen Bands als Kompliment gereichen, als dass Noumena ein Strick daraus gedreht werden könnte.