In welche Richtung wird es gehen, das neue Spock's Beard-Album? Wird man an die großartigen Alben der Neal-Morse-Ära wieder näher anknüpfen können? Zwei Fragen die sich mit dem Erscheinen des neuen, schlicht "Spock's Beard" betitelten Album in Wohlgefallen aufgelöst haben. Spock's Beard führen ihren alt bekannten Sound, der mit viel Mellotron aufwartet fort und streuen jedoch eine Brise Modernität in die Songs. Über das gesamte Album hinweg bekommt man neben komplexen, sehr verschachtelten Tracks ("Skeletons Of The Feast" oder "With Your Kiss") auch Songs zu hören, die sehr geradlinig und gar kommerziell klingen ("All That's Left" oder "Is This Love"). Und das führt dazu, dass die Scheibe im Gesamten sehr viel mehr aufgelockerter und spielfreudiger aus den Lautsprechern wabbert, als es bei den beiden Vorgänger-Alben "Feel Euphoria" und "Octane" noch der Fall war. Man spürt regelrecht, dass die Jungs ihr neues, freieres Dasein mit viel Spaß verfolgen. Die Songs klingen allesamt sehr frisch und sind dabei auch hervorragend und in den einzelnen Instrumentierungen sehr differenziert produziert. Vor allem scheint man nun einen gewissen Level an Selbstsicherheit erreicht zu haben. Nick D'Virgilio hat sich zu einem mehr als würdigen Nachfolger von Neal Morse in den Gesangsparts gemausert - streckenweise klingt der Gesang mit den Background-Vocals von Alan Morse im Rücken gar nach dem ausgeschiedenen Ex-Sänger. Die Tatsache, dass mittlerweile alle Bandmitglieder an den Songs mitarbeiten hat die Band hörbar nach vorne gebracht - oder besser - auf einen neuen Weg gebracht. Mit "Spock's Beard" hat die Band sicherlich auch dem letzten Zweifler bewiesen, dass ein Leben nach Neal Morse möglich und berechtigt ist. Mehr noch, das Einfügen von kommerziellen, eingängigeren Songs, die jedoch zu keiner Zeit langweilig und nach 0815-Songs klingen, haben eine neue Seite an Spock's Beard aufgedeckt - ohne jedoch dabei den progressiven Anteil wesentlich zu minimieren. Das Herzstück des Albums, ein über 17-minütiger Track mit Namen "As Far As The Mind Can See" stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Er stellt eine Mischung aus sehr straighten aber auch verschachtelten Songelementen dar und besteht aus vier Einzelsongs, die sich nahtlos zu einem weiteren Prog-Epic in der Bandgeschichte zusammenfügen. Während der erste Teil von sanftem Pop bis hin zu stampfendem Rock reicht, geht es im zweiten Teil sehr jazzig zu - viele Rhythmus-Wechsel, aber auch SoloAusflüge der Musiker stehen hier im Vordergrund. Im dritten Teil dieses Epics, "They Know We Know" klingen Spock's Beard sowohl musikalisch als auch vom Gesang her sehr nach einem Peter Gabriel'schem "Sledge Hammer"-Gebilde. Der abschließende vierte Part zeigt dann wiederrum, das die Band immer noch in der Lage ist, Songs ala "The Light" zu erschaffen - hier fahren die Jungs mit sämtlichen Spielereien aus der progressiven Küche auf, kredenzen pompöse Keyboard-Teppiche und zeigen, dass Spock's Beard nicht ohne Grund zu den einflussreichsten Progressive Rock Bands der Neuzeit gehören. Wem die Alben der Neal Morse-Ära bisher zu schwer nachvollziehbar waren, und sich mit den beiden ersten Alben der "neuen" Spock's Beard ebenfalls schwer tat, wird mit "Spock's Beard" das Puzzleteil finden, das diese beiden Zeitabschnitte der Band gelungen miteinander verbindet.
dufte! werd ich dann wohl doch mal reinhören müssen. die letzten beiden alben haben mir nicht gefallen.