"In My Blood – En Mi Sangre" ist das neue Album der ursprünglich aus Gibraltar stammenden Wahl-Londoner Breed 77. Das Quartett flechtet Teile der musikalischen Kultur Spaniens in ein zeitgemäßes Klangkostüm aus modernem Metal und hartem Alternativerock. Dazu verabreichen sie dem geneigten Hörer Flamenco-Gitarren, wuchtig-brachiale Riffs eine präzise Rhythmuseinheit sowie emotionalen Gesang. Das Gebräu löst sich, man mag es kaum glauben, in harmonisches Wohlgefallen auf und klingt dabei temperamentvoll und leidenschaftlich aber nie anstrengend. Man könnte meinen Breed 77 klingen auf "In My Blood - En Mi Sangre" wie eine Mischung aus Sepulturas "Roots" Album und einer entspannten System Of A Down ("Remember That Day" und "The Game") Platte, nur weniger krampfig und zusammengewürfelt, dafür organischer. Selbst wenn bei Breed 77 Streicher zum Einsatz kommen, hinterlassen sie keinen aufgesetzten Eindruck, sondern klingen vollkommen natürlich. Insbesondere Sänger Paul Isola beweist mit seinem charismatisch-klaren Gesang das stilistische Vielfalt und Eingängigkeit einander nicht aufheben sondern durchaus zusammen funktionieren können. Englischsprachige Texte werden mit teilweise spanischen Einwürfen vermengt. Das Salz in der Suppe aber sind die verwendeten iberischen und orientalischen Harmonien, die sich durch das komplette Album ziehen. Highlighst sind der fast schon symphonische Züge aufweisende Kommentar zur Weltpolitik "Petroleo (You Will Be King)" oder das spanisch-folkloristische Elemente aufweisende "Viento De Levante". Ebenso das energetische "Blind", das trotz seiner melodischen Härte dennoch Hitpotenzial aufweist oder die zwischen knallhart und gefühlsbetont wechselnden Stücke "Empty Words" und "Alive". Breed 77 beweisen Eigenständigkeit und überzeugende Songwriting-Fähigkeiten, klingen dabei aber immer noch mainstreamtauglich. Gelungenes Album!