Schon interessant wie sehr die Rezeption von Musik doch von Vorurteilen und Klischees geprägt ist. Dieselben Leute die bei "Take Them On On Your Own" noch gemeckert hatten, dass das ja lediglich ein Aufguss des Debüts sei, fanden "Howl" plötzlich "langweilig". Selbstverständlich sind beide Ansichten Unsinn, vor allem die endlosen Vorbehalte gegenüber "Howl", denn prinzipiell hatten Black Rebel Motorcycle Club hier nichts anderes getan, als die spirituelle, akustische Seite ihrer britischen Einflüsse wie The Jesus And Mary Chain, Spiritualized, Primal Scream und The Rolling Stones auf einem einzigen Album zu bündeln. Das Resultat war weder in Stimmung, noch in Atmosphäre gravierend anders als die ersten beiden Alben. Nur eben weniger "elektrifizierend". Zu seltsam übrigens, dass die Vinyl-Version mittlerweile restlos vergriffen ist. SO schlecht kann die Platte also scheinbar doch nicht gewesen sein – oder? Anyway: "Baby 81" sollte nun sämtliche Fraktionen zum Verstummen bringen, denn für ihr viertes Werk haben die Herren Hayes, Jago und der wieder zu seinem "echten" Namen Been zurückgekehrte Turner das chromglänzende Motorrad erneut aus der Garage geholt und einen sechzigminütigen Ritt in schwarzen Lederjacken angezettelt, der noch dem letzten Menschen klarmachen sollte, dass mit dieser Band nach wie vor zu rechnen ist. Ein Aufguss ist es trotzdem nicht geworden, genaugenommen klingen die Amerikaner hier zwar immer noch irgendwie cool, abgefuckt, uralt und molchig, aber eben auf sehr zugängliche Art und Weise. Die massiven Gitarrenwände sind noch amtosphärischer und zerrender in Szene gesetzt als früher und auf den dezenten Disco-Einschlag in "Berlin" oder "Need Some Air" mussten wir immerhin geschlagene sechs Jahre warten. Und Songtitel wie "666 Conducer" oder "Killing The Light" mussten ohnehin endlich einmal realisiert werden. Ebenso Textzeilen wie "Suicide is easy, what happened to the revolution!" oder "She's seventeen, she's got everything she needs to loose - Yeah, yeah, yeah!" Wenn Black Rebel Motorcycle Club dann kurz vor Schluss in "American X" gar Töne erzeugen, die an den The Doors-Klassiker "Riders On The Storm" erinnern oder in "Am I Only" eine Art Gottesdienst veranstalten, sollten noch die letzten Vorbehalte in die Mülltonne wandern. Und zwar restlos! Was lernen wir daraus? Ganz einfach: Wer Black Rebel Motorcycle Club noch nie leiden konnte, mag "Baby 81" auf gar keinen Fall. Und alles weitere liegt bei Dir!!! PS: Diese BRD-Version hat ein anderes Cover als die US- und UK-CDs und eine Vinylversion ist dummerweise leider bisher nicht angekündigt!