Perfektes Timing, während die Frühlingsnächte zunehmend wärmer und von immer schwererem Blütenduft durchzogen werden, liefern Blonde Redhead den Soundtrack dazu! Bereits die ersten, verlorenen Klavierklänge des Openers "23" lassen den Hörer sanft in eine andere Realität gleiten und machen unmissverständlich klar, dass das Trio mit seinem zweiten Album für das Label endgültig auf dem Planeten 4AD angekommen ist. Vorbei die Zeiten als man sie ständig und immer wieder mit Sonic Youth verglich, mittlerweile haben sie sich zwar mit dem 4AD-Ästhetik-Virus angesteckt, darüber hinaus aber glücklicherweise nicht ihre Noise-Bazillen vergessen und klingen nun mehr denn je nach jener Musik, die man Anfang der Neunziger gerne mit dem leicht dämlichen Wort "Shoegaze" etikettierte. Dass mit Workaholic Alan Moulder ein Mann am Mix mitwirkte, der damals an zwei Schlüsselplatten des Genres maßgeblich beteiligt war ("Loveless" von My Bloody Valentine und "Nowhere" von Ride) passt da natürlich wie die Faust auf's Auge, aber so einfach ist es dann auch wieder nicht. Vielmehr lässt sich konstatieren was bereits der Vorgänger "Misery Is A Butterfly" nahe legte, nämlich dass Blonde Redhead mit ihrem mittlerweile siebten Album ihren Stil gefunden und perfektioniert haben. Der Gesang von Kazu Makino wird fast genauso oft bearbeitet und soundtechnisch manipuliert wie ihre Gitarre, darunter liegen die Rhythmusschleifen der italienischen Zwillinge Amedeo und Simone Pace, die ganz nach Bedarf schwer mäandern, hypnotische Kreise bilden oder einfach nur butterweich durch die Luft segeln. Dass "23" trotzdem nicht im puren Schönklang ertrinkt erreicht das Trio neuerdings weniger über die bewährten Gitarren-Orgien, sondern durch subtile Unterströmungen, welche die Musik immer wieder mit einer fast schon unsichtbaren Energie aufladen und ihr eine eigenartige nervöse Entspanntheit verleihen ohne dabei das träumerische Element zu vernachlässigen. Aber vielleicht passiert sowas eben, wenn man seine Platte in Metropolen wie New York und London aufnimmt bzw. abmischt. Mit "23" dürften Blonde Redhead mit Sicherheit ihr zugänglichstes und vielleicht auch poppigstes Album abgeliefert haben, "Stargaze" sozusagen!