Edmonton, Kentucky. In der 500-Seelen-Gemeinde passiert rein gar nichts. Es gibt nicht mal Alkohol, denn Edmonton gehört zu den wenigen Orten in den USA, in denen die Prohibition noch gilt. Statt den Kleinstadtfrust also in hoffnungslosen Besäufnissen zu ertränken, haben vier ortsansässige Jungs einfach gespielt. Und gespielt. Und gespielt. Nun veröffentlichen Black Stone Cherry ihr energiegeladenes Debütalbum. Das eine oder andere Bier haben sie sich damit auf jeden Fall verdient. Ihre Vorbilder heißen Led Zeppelin, Lynyrd Skynyrd und Soundgarden. Viele Musiker haben Vorbilder, doch die Südstaatler haben von ihren Idolen gelernt und dabei einen eigenen Groove gefunden. Black Stone Cherry rocken den Teufel aus Edmonton! So wurde die Regional-Legende vom "Rain Wizard" in einem gewaltigen Riffgewitter verarbeitet, das musikalische Einflüsse lebendig werden lässt. Der heimliche Alkoholverkauf in der Stadtmitte ist Thema von "Backwoods Gold", dem nächsten halsbrecherischen Knaller. Die raue, ungebremste Gitarrenpower, die dem Hörer mit einem kraftvollen Rhythmus entgegenschlägt ist eine wahre Freude. Die Songs leben von guten, aber nicht zu offensichtlichen Melodien mit smarten Refrains und einer leicht "doomigen" Atmosphäre, ohne dass es zu düster wird. Texte über lokale Begebenheiten und Figuren sind musikalisch ideal verpackt. Frontmann Chris Robertson hat gewaltige Stimmbänder! Es klingt, als sei Black Stone Cherry schon bei den Großen angekommen. Kaum zu glauben, dass die Bandmitglieder alle zwischen 20 und 23 sind. Mit dem letzten Song "Rollin' On" haben sie dazu noch eine absolute Rock-Hymne mit Orgel und reichlich Südstaaten-Appeal geschrieben, die ich als genial bezeichnen möchte. Immer schneller, immer härter? Warum?! Black Stone Cherry zeigen, wie's gemacht wird. Diese Band hat den absoluten Drive! In eine Schublade sollte man das Quartett nicht voreilig stecken. Aber wer mit Black Sabbath, Clutch, Black Label Society, Soundgarden, Led Zeppelin, Mustasch oder den weiterhin fast unbemerkt arbeitenden Dirty Americans was anfangen kann, der sollte sich eine akustische Kostprobe dieses Debütalbums gönnen. Es mag paradox klingen, aber das ist klassischer und moderner Hardrock in einem, und zwar auf höchstem Level.