30. März 12h mittags: Highnoon am wohl sehnlichst erwartetsten Tag in diesem Frühjahr. Der Plattendealer des Vertrauens schließt pünktlich auf und da steht sie: Die neue Beatsteaks-Scheibe. Seit Wochen ist die Stadt schon mit Plakaten zugeklebt und "Insane-Jane" verfolgt einen schon im Schlaf. Jetze nicht lang warten, sondern koofen und ab nach Hause… Doch dann: Hoppla! Nur eine gute halbe Stunde?!? Es scheint nicht viel zu sein, was die Buletten nach drei Jahren Albumpause zu sagen hätten. Elf Songs sind es zwar trotzdem geworden und in der Kürze liegt bekanntlich die Würze. Außerdem soll man ja nicht nach dem äußeren Schein urteilen. Zack: Verstärker auf 12, "Play" drücken und Augen schließen – jetzt geht’s ab! Und das nicht zu knapp! Es brüllt, es kratzt, es beißt! Schon beim ersten durchhören wird klar: 30 Minuten sagen noch nix über ein Album aus, außer dass man öfter wieder auf "Play" drücken muss. Und das ist ja nicht schlimm. "You don’t guess my name, but I’ve come to rearrange!" brüllt Arnim dem Hörer unnachahmlich aus den Boxen entgegen. Das passt vielleicht zum Song, aber nicht zum Album. Den Namen kennt man und aus der Art schlägt das Album nun wirklich nicht. Wo Beatsteaks drauf steht, ist zum Glück immer noch Beatsteaks drin. Gleich beim ersten Song "As I please" wird klar was Sache ist. Nämlich dass sie das Rocken immer noch genau so drauf haben wie eh und je. Weiter geht es mit einer alten Bekannten aus den schlaflosen Nächten vor dem Release: "Jane became insane" ist ein typischer Beatsteaks-Knaller, der live sogar noch geiler ist, was wohl jeder bestätigen kann, der das Glück hatte, beim Release-Konzert in Berlin dabei zu sein. Arnim röhrt, das Schlagzeug treibt – "Nanananana nanananana! She’s got everything under control!" Das Ganze ist dann auch noch garniert mit einem schön schrägen Gitarrensolo. Wow! Freut euch auf das nächste Konzert! Der dritte Song "Sharp, cool & collected" ist ein echtes Punkbrett. Gute zwei Minuten später bleibt der Hörer etwas verwirrt zurück ob des Tornados, der da grade durch den Raum fegte. Jetzt schnell die Haare aus dem Gesicht streichen, denn der nächste Hit folgt auf dem Fuße. "Meantime" ist eine schöne Hymne mit toller Melodie, die aber fast ein bisschen zu kurz ausgefallen ist. Kaum hat man angefangen zu tanzen, ist der Song auch schon wieder vorbei. "Demons galore" ist dann wieder ein Gassenhauer, bei dem das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht verschwinden will. Geile Gitarren und treibende Drums. Keine weiteren Fragen, euer Ehren. Beim nächsten Song stehen die Beatssteaks mit durchdrehenden Reifen an der Ampel, um dann aber direkt nach dem Intro zwei Gänge runterzuschalten. Was folgt ist ein verspielter Song mit mehrschichtigem Gesang und vielen kleinen Effekten, zu dem man stundenlang mit den Kumpels durch die nächtliche Großstadt cruisen will. "One, two, three, Four!" – die Jungs haben das Gaspedal wiedergefunden! "Bad brain" geht wieder voll auf die zwölf. Was dann kommt ist etwas überraschend: Beatssteaks go Soul. "She was great" lässt sich nicht wirklich in den bekannten Kosmos der Band einordnen. Es sind noch nicht einmal unverkennbar die Buletten am Werk. Aber vielleicht funktioniert der Song ja im Sommer am See, wenn das Wetter so sonnig warm ist, wie der Song weich und man sich mit der Freundin im Arm die Sonne auf den Bauch scheinen lässt… Dann kommt "Soljanka" um die Ecke gedonnert. Was anfängt wie eine kosakische Trinkaufforderung zum Mitgrölen, verliert sich gegen Ende leider im instrumentalen Bombast. Kurz durch geschnauft, denn für "Hail to the freaks" hat man ein wenig bei den Sisters Of Mercy geschnuppert. Macht aber nix, ist nämlich trotzdem ein Riesensong. Nicht zuletzt weil sie schnell genug die Kurve kratzen und somit einen weiteren Höhepunkt auf die Zielgrade des Albums zimmern. Was noch bleibt ist der Zieleinlauf – "Feed my E-G-O! Watch it grow and grow!" Wer gut ist, weiß das auch meist selbst. Und den Berlinern steht das auch noch gut zu Gesicht. Denn wer sie schon einmal live gesehen hat weiß: Auf dem Sympathiethron des Punkrock-Olymp sitzen die Beatsteaks! Trotz wachsendem E-G-O oder gerade deswegen. Alles in allem haben die Fünf uns wieder ein wunderbares Stück Musik geschenkt, und ich bin mir sicher, dass die Zeit (und die Repeat-Taste!) auch noch die letzten kleinen Schwachstellen ausmerzen wird. Hier wird nahtlos an "Smack Smash" angeknüpft und das ist gut so. Bleibt nur zu hoffen, dass es bis zum nächsten Album nicht wieder so lange dauert!