Wie der Plattentitel proklamiert muss ein Ende auch einen Anfang haben und so beginnt der Herbst dieses Jahr eben schon im Juni. Zumindest wenn es nach den Editors geht, die es auf ihrem Zweitling locker schaffen den Zuhörer 45 Minuten lang in eine Klangwelt einzusperren, die so elegisch und melancholisch wirkt, dass man glatt denken könnte, es wäre Oktober. Zumindest, wenn man bereit ist sich Tönen wie diesen auszusetzen! Und schon sind wir mitten drin in der Kontroverse, denn der Reiz an der Musik der Briten ist ein perverser; sie fordern dem Zuhörer einiges ab, nämlich sich auf einem unterirdischen Soundstrom hinwegtragen zu lassen, ohne sich dabei den Kopf an den entgleisenden Metaphern Tom Smiths zu stoßen, die wie Stalaktiten von der Decke hängen und den Hörer in gewissen Momenten einkreisen, wie die Knochen, die Smith als Käfig um sein wundes Herz wähnt. Man muss noch nicht einmal mit einer Flugbegleiterin liiert sein, um bei Zeilen wie "If a plane were to fall from the sky // How big a hole would it leave in the surface of the earth" instinktiv zusammen zu zucken und das ist noch harmlos. Das Schlimmste kommt ganz am Ende, wenn Smith zu fragiler Pianobegleitung mit weinerlicher Stimme " I'm so sorry for the things that they've done // I'm so sorry about what we've all become." singt und dabei klingt wie Morrissey in seinen gruseligsten Momenten. Nun gut soweit. Das wären die Texte. Und die Musik? Die ist gar nicht mal so schlecht und wer an dieser Stelle immer noch liest, kann sich "An End Has A Start" getrost anhören, denn der Pferdefuss dieses Werkes ist ganz eindeutig die pathetische Art und Weise der Präsentation, der ein wenig (Selbst-)Ironie überhaupt nicht schaden würde. Aber Smith und die Editors können auch anders, der treibende Bass und die abrupt aufbrausende Theatralik von "Bones", die himmelstürmenden Gitarren im Titellied oder das fast schon gotische Riff in "The Racing Rats". Auch die verhallten Novemberballaden vom Kaliber "Push Your Head Towards The Air" oder "When Anger Shows" haben eine enorme Ausstrahlung. Das sind die Momente, in denen die Editors großartig sind nur gibt es das alles eben leider nur im "Doppelpack" mit besagtem Pathos. Wie gesagt: Der Reiz an dieser Musik ist ein perverser. Wer damit allerdings klarkommt, findet in "An End Has A Start" auf rein musikalischer Ebene sogar noch eine Steigerung gegenüber "The Back Room", findet eine detailliertere Produktion und einen Tom Smith, dessen Gesang mehr denn je an Ian Curtis (Joy Division) erinnert. Und hoffentlich auch eine Band, die demnächst mal ein wenig lockerer wird. Nicht, dass das hier noch der Anfang vom Ende ist!