Axl Rose lebt! Von wegen Guns'n'Roses! Die hat er nämlich doch aufgelöst, die Musikwelt eine halbe Ewigkeit an der Nase herumgeführt, im Rahmen eines Errasmus-Austauschprogramms mit dem Terminator die Plätze getauscht und heimlich eine neue Kapelle in Österreich gegründet. Hier, fernab der geifernden Öffentlichkeit, hat er sich auf seine Wurzeln besonnen und seinem Alter Tribut gezollt, indem er das Tempo etwas rausgenommen hat. Was jetzt aber nicht "weichgespült" meint, sondern, dass der Herr jetzt bluesiger groovt. Tja, Axl, aber auch wenn du dich jetzt Alex nennt und die Portraitfotos im Booklet zufällig verwackelt sich - deine krächzige Jaul-Stimme ist unverkennbar! Außerdem hast du auf einem Foto vergessen dein Stirnband abzunehmen. Auch wenn es inzwischen echt lange her ist, dass man was von dir hörte, wir werden dich immer erkennen. Du kannst dich nicht verstecken! Spaß beiseite. Obwohl, wieso Spaß? Wenn es hier was zu lachen gibt, dann doch allenfalls über die Rosenkanönchen. Denn Bad Sellin' Record liefern hier mit "No panic!" ein durchweg klasse Debut ab, das musikalisch auch durchaus in die Lücke paßt, die Axl & Co irgendwann mal hinterlassen haben. Auch wenn die Lücke natürlich noch viel zu groß ist. Aber mit ihrer Mischung aus Classic-Rock, Südstaaten-Hooklines und der gehörigen Portion Blues im Sound und in den Adern, reissen sie auf jeden Fall so manchen Rock'n'Roller kräftig mit. Und wenn Guns'n'Roses nicht in die Puschen kommen, dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihnen soundmäßig der Rang abgelaufen wird. Denn der war ohne Frage geil und an den Bedarf wird sich auch noch (fast) jeder erinnern können. Das haben auch Alex Lipscher und seine vier Wiener Mitstreiter gemerkt und nahezu alles, was der Musikwelt seit dem größten Witz der Rockgeschichte (Chinese Democracy) fehlt in ihre Musik eingebaut: Slashs Killergitarre (Dine Time Lights) und Axls "Haai-haai-jai-aaaaai" (You Never Know). Ok, die Parallelen sind unübersehbar. Aber das macht eigentlich nix, denn die Platte überzeugt trotzdem. Jetzt bleibt nur abzuwarten, ob der Bandname Bad Sellin' Record als sich selbst erfüllende Prophezeiung im Keller der Musikgeschichte verschwindet, oder ob sich das Album gemäß der meuchelnden Spermien auf dem Cover durchsetzt. Getreu dem Motto, dass sich Gutes eh durchsetzt.