Nicht alles, was man nicht ständig sieht bzw. hört ist automatisch auch verschwunden. Ganz im Gegenteil, wenn man mitbekommt für welche Summen im Internet altes Vinyl von Acts wie Slowdive, Mazzy Star, Spacemen 3 und selbstverständlich My Bloody Valentine mittlerweile den Besitzer wechselt, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass es sich mit psychedelischem DreamSpacePop ähnlich wie mit Radioaktivität verhält: Unsichtbar, unhörbar und trotzdem mit dem Potential ausgestattet den Hörer aus dem Verborgenen massiv zu verstrahlen. Nach Blonde Redhead und den Trembling Blue Stars kommt jetzt ein weiteres Album, welches wie ein hypnotisches Echo aus den frühen Neunzigern klingt! Die Unterschiede liegt jedoch auf der Hand: Das aus Victoria Legrand und Alex Scully bestehende US-Duo Beach House legt auf seinem Debut einen somnambulen Walzer hin, der nahezu frei von Dissonanzen und Schlagzeug ist - auch eine eigentlich obligatorische Zutat wie Gitarrenfeedback kommt hier überhaupt nicht vor. Stattdessen gleiten, zwitschern und fließen die Songs auf pochenden Rhythmusmaschinen, Tamburinen, Orgeln und der träumerisch-lasziven Stimme von Miss Legrand einen dunklen Soundfluss hinunter und entwicklen dabei eine mesmerisierende Sogwirkung. Dass Scullys Gitarrenspiel in einigen Stücken ("Auburn And Ivory") angenehm an die Arbeit von David Gilmour auf dem Pink Floyd-Klassiker "Meddle" (1971) erinnert verstärkt diesen Effekt noch. Wenn die beiden nun noch ein wenig am Songwriting arbeiten würden, könnten sie von einer guten zu einer sehr guten Band werden, denn neben Höhepunkten wie "Master Of None" stehen leider durchaus auch Stücke, bei denen es mehr um Atmosphäre als um Substanz gegangen zu sein scheint. Trotzdem: Schönes Album, welches einen 36 Minuten lang entschweben lässt und vor zehn Jahren auch im Katalog des Trance-Psycho-Lo-Fi-Labels Kranky eine gute Figur gemacht hätte!