So, da ist es also das letzte Album der Industial-Legende Ministry. Mit "The Last Sucker" nimmt sich Fronter Al Jourgensen ein weiteres Mal lautstark und ohne Pardon seinen Lieblingsfeind George W. Bush und sein gesamtes Regime zur Brust. Auch das Ende von Ministry ist somit Herrn Bush in die Schuhe zu schieben, denn laut Jourgensen: "gefällt mir der Gedanke das Dabbeljuh und Ministry Hand in Hand in den Sonnenuntergang reiten" außerdem möchte er sich zukünftig mehr seinem Label 13th Planet widmen und fühlt sich "hinter dem Pult wohler als am Mikro". Na dann, soll es wohl so sein. "The Last Sucker" wird, gerade bei Fans der doch recht thrashigen letzten Scheibe "Rio Grande Blood", teilweise für Verwirrung und, wenn man hartnäckig daran glauben mag, dass diese Scheibe gut sein muss, für zahllose Durchläufe sorgen. Wenn der sprichwörtliche Knoten dann allerdings geplatzt ist, kommt man nicht umhin, Jourgensen als Ausnahmemusiker anerkennend in die Historie aufzunehmen. Kaum ein anderer schafft es derartig viel Monotonie - und hier ist nicht das zwanghaft negativ behaftete monoton gemeint - in seine Songs unter zu bringen und das, ohne dass man dabei vor Langeweile einschläft. Immer wieder eingestreute und vor allem im Song "End Of Days" mit einem Soundloop untermalte Auszüge aus Bush-Reden geben dem Song, ebenso wie Gastsänger Burton C. Bell, Fronter von Fear Factory, eine besondere Würze. Dabei hat Jourgensen gerade an diesen Teil der Aufnahmen schlechte Erinnerungen: "Mein Toningenieur und ich haben nächtelang über dem Computer gebuckelt und hörten uns ständig diesen fucking Idiot an bis unsere Sinne total benebelt waren. Nichts ging mir mehr auf den Sack, als die ganze Zeit dieses Gesabber anzuhören, aber für das Album waren die Soundschnipsel das notwendige Übel." Armer Al! Wer hinter dem "The Dick Song" übrigens irgendwelchen Schweinkram vermutet, hat sich - leider oder zum Glück, das liegt im Auge des Betrachters - geirrt. Der Song ist dem US-Vizepräsidenten Dick Cheney gewidmet, der, wie sollte es anders sein, hier ebenso wie sein Chef nicht sonderlich gut weg kommt. "Die In A Chrash" kommt fast schon punkig rüber und die Coverversion des Doors Songs "Roadhaouse Blues", mit einem nie gehörten und herrlich verzerrten Mundharmonikasound, machen viel Freude und zeugen von Ministrys Kreativität und Experimentierfreudigkeit. Eigentlich ist das komplexe Werk Ministrys mit Worten schwer zu beschreiben, denn jeder wird sich diesem Album auf eine andere Weise nähern. Wer allerdings nur pure Spaßmukke sucht, der ist hier komplett falsch. Wer aber einem musikalisch hohen Niveau nicht abgeneigt ist und es auch einmal zulässt, dass es Musik gibt, die nicht durchweg eingängig ist, sondern die sich vielleicht auch der Fan ein Stück erarbeiten muss, der ist bei Ministry wie immer goldrichtig. Und für alt-eingefleischte Fans ist "The Last Sucker" sowieso ein Muss. Einen genaueren Blick hat übrigens auch das Cover Artwork verdient (Anm. d. Red.: das hier abgebildete, ist nicht das Cover der Verkaufs-CD), das laut Band "das teuerste der Bandgeschichte" ist. Auch hier wird deutlich, wem alle Antipathien Ministrys uneingeschränkt gehören. Hoffen wir also darauf, dieses Soundgewitter noch einmal live erleben zu dürfen und verneigen uns vor 26 Jahren innovativer Musikgeschichte.