Man musste nicht erneut acht Jahre auf ein neues Lebenzeichen der Progressive-Rock-Band um die Brüder Alex und Oliver Holzwarth warten. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem hevorragenden "The Art Of Navigating The Stars" liegt der Nachfolger vor und untermauert eindrucksvoll die Ausnahmestellung von Sieges Even in der internationalen Progressive-Rock-Landschaft. Die meiste Zeit sind Bassist Oliver (Blind Guardian) und Schlagzeuger Alex (Rhapsody Of Fire, vormals nur Rhapsody) damit beschäftigt im Metal-Sektor für ordentlich Bombast zu sorgen. Technisch sind sie dort sicher nicht völlig unterfordert, aber man meint "Paramount" anzuhören, wie befreit die Brüder bei ihrer eigenen Band agieren können. Genrefesseln werden abgelegt und den kreativen Strömungen wird freier Lauf gelassen. Und so ist "Paramount" - in allerbester Sieges Even-Tradition - ein Album geworden, dass kaum weiter vom Sound der Hauptarbeitsgeber der Brüder Holzwarth entfernt sein könnte. Metallische Härte wird nur ganz selten eingestreut. Was dominiert sind entspannt-jazzige Arrangements und schön ins Ohr gehende AOR-Melodien. Was sich in der Beschreibung beschaulich anhört, klingt in seiner musikalischen Umsetzung zu jeder Zeit spannend und bewegend. Und natürlich verstehen es Sieges Even mal wieder den Hörer nicht mit Zurschaustellungen musikalischer Fingerfertigkeiten zu nerven, sondern ihre Fähigkeiten in den Dienst der Songs zu stellen. Auch wenn es nach Klischee klingt, aber einzelne Songs hervorzuheben, erscheint tatsächlich schwer. Jeder einzelne Titel ist großartig und persönliche Favoriten werden sich wohl bei niemandem aufgrund qualitativer Unterschiede zwischen den Songs herauskristallisieren. "Paramount" begeistert als Gesamtkunstwerk, klingt frisch und innovativ und zeigt deutlich, dass das von manchen beschriehene Ende der kreativen Fahnenstange im Progressive/Melodic-Bereich noch lange nicht erreicht ist.