Die Saga des Tempelritters Ashlar von Megalon geht in die nächste Runde. Für das dritte Studioalbum von Heimataerde wurde nicht ohne Grund mit "Leben geben Leben nehmen" ein dualistischer Titel gewählt, denn streng genommen handelt es sich bei dem neuen Silberling um zwei EPs, die auf einer Scheibe zusammengefasst wurden. So darf man sich also nicht wundern, wenn es nach den ersten sechs Songs ein erneutes Intro gibt. Musikalisch fällt diese Zweiteilung weniger auf, wohl aber thematisch. Denn die insgesamt sehr homogenen Stücke sind in der ersten Hälfte textlich größtenteils von einem hymnischen Pathos geprägt, werden dann aber von deutlich düstereren Lyrics abgelöst. Am Heimataerde-Stil selbst hat sich nichts Grundlegendes geändert, dennoch ist eine Weiterentwicklung zum Vorgänger "Kadavergehorsam" deutlich spürbar. So sind die Dudelsäcke etwas in den Hintergrund getreten und werden sparsamer eingesetzt, was den Songs allerdings sehr gut zu Gesicht steht. Wo früher lange Sackpfeifen-Passagen oft zu inszeniert wirkten, dienen sie nun der atmosphärischen Untermalung an genau den richtigen Stellen. Das hat natürlich auch zur Folge, dass die elektronische Komponente stärker zum Tragen kommt, wodurch "Leben geben Leben nehmen" vor allem ein Album geworden ist, das die Clubgänger-Fraktion ansprechen dürfte. Die meist im Uptempo-Bereich angesiedelten und rhythmisch dennoch abwechslungsreichen Songs gehen sofort ins Blut, und erfahren durch Ashs rauhes Gekeife einen zusätzlich motivierenden Arschtritt. Aber man spürt auch, dass Heimataerde hier mit viel Liebe zum Detail zu Werke gegangen sind, so dass man sich das Album trotz der treibenden Beats auch gern zurückgelehnt im Sofa zu Gemüte führt. "Leben geben Leben nehmen" ist eine äußerst runde und konzeptionell dichte Sache, der man durch ein Hervorheben einzelner Songs nur Unrecht tun könnte. Das Niveau wird konstant hoch gehalten, wodurch die 55 Minuten ein angenehm kurzweiligen Vergnügen darstellen. Feine Scheibe.