Dieser Oktober ist eindeutig blau-gelb. Und damit soll hier nicht zum vorgezogenen Weihnachtsshopping bei einem schwedischen Möbelhaus aufgerufen werden. Vielmehr kommt man nicht umhin die Tatsache anzuerkennen, dass mit The Hives und Mando Diao zwei der erfolgreichsten Rock-Bands aus dem europäischen Norden parallel neue Alben präsentiert haben. Den Anfang machen The Hives mit ihrem "The Black And White Album", wobei der bandtypisch größenwahnsinnige Titel nicht bedeutet, dass die Scheibe im Vinyl-Design nennenswerte Gemeinsamkeiten mit den Beatles, Prince, Jay-Z oder Metallica hätte. Zunächst legen die fünf Schweden im altbewährten Hives-Stil los und lassen mit der ersten Single "Tick Tick Boom" ordentlich die Wand wackeln. Schnelle Rhythmen, treibende Schrammel-Gitarren und den charakteristische Gesang von Pelle Almqvist: The Hives würde man vermutlich selbst mit zugestöpselten Ohren nach der ersten Strophe erkennen, wenn man sich nur dicht genug vor die Box stellte. Ähnlich wie Track 2 ("Try It Again"), bei dem das Tempo allerdings ein paar BPM herunter gefahren wurde, um im Gegenzug den Rock'n'Roll noch ausgiebiger zu zelebrieren. "They say the definition of madness is doing the same thing and expecting a different result" singt Howlin' Pelle zum Ende des Songs. Die Tatsache, dass der schlaksige Frontmann sich live bisweilen wie ein Verrückter aufführt, bedeutet allerdings noch lange nicht, dass er nicht wüsste, was er tut. Im Grunde ist es verdammt clever, allen Neuerungswünschen zum Trotz nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen und die Fans zu verprellen. Lieber erst einmal ein paar solide Rocker anbieten und mit "You Got It All... Wrong" noch mal zünftig Gas geben, dann kann man immer noch das eine oder andere Experiment einstreuen. Was bekommt man zum Beispiel, wenn man ein AC/DC-Riff mit !!! (chk chk chk)-Bässen, Kuhglocke und Background-Chor kreuzt? Entweder totalen Quatsch oder eben ein großartiges und neuartiges Stück wie "Hey Little World". Frei nach dem Motto "Je mehr Köche, desto besser der Brei" wurde diese Nummer mit Garrett "Jacknife" Lee (U2, Editors, R.E.M.) aufgenommen, während bei einem Großteil der restlichen Stücke (7 von 14) Dennis Herring (Elvis Costello, Modest Mouse) an den Reglern saß. Das eine oder andere neue Stück wird bei Hives-Fans allerdings nicht auf uneingeschränkte Zustimmung stoßen. Als Spitze des Eisbergs ist hier das mit Hip Hop-Produzent Pharrell Williams entstandene "T.H.E.H.I.V.E.S." zu nennen, auf dem die Band im Hintergrund mit dunklen Stimmen den Bandnamen buchstabiert, während ein simpler 80er-Hip Hop-Beat seine Runden dreht. Ein ähnlich seltsamer Versuch, Hip Hop- und Funk-Elemente und Atari-Sounds zu verarbeiten, ist das selbstproduzierte "Giddy Up". Ein weiterer Track mit dem Prädikat "Geschmackssache" ist die Piano-begleitete Gesangs-Spielerei "Puppet On A String". Etwas polemisch könnte man sagen, dass The Hives auch mit ihrem fünften Studioalbum wieder eine halbe Stunde besten Punk'n'Rolls abgeliefert haben - nur dass eben noch eine zusätzliche Viertelstunde mit mehr oder weniger gelungenen Experimenten enthalten ist. Alles in allem gibt es keinen Grund, "The Black And White Album" nicht zu kaufen und dazu abzurocken. Your old favourite band is back.