Ex-Charitona Frontfrau Dörthe Flemming hat sich quasi selbständig gemacht und veröffentlicht unter dem Namen Bacio di Tosca (der auf die Puccini-Oper "Tosca" zurückzuführen ist) ihr Solo-Debüt "Der Tod und das Mädchen". Alle, die mit klassischer Musik rein gar nichts anfangen können, dürfen hier bereits das Weiterlesen einstellen, denn genau darum handelt es sich bei dieser Scheibe: inspirierende und getragene Neoklassik mit mezzosopranem Gesang. Der Einstieg in das Album ist mit der Type O Negative Coverversion von "Red Water" jedoch äußerst ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist der Song wunderschön arrangiert und stimmlich überragend, auf der anderen Seite verleiht der viel zu dominante Bass dem Stück eine unangenehm vulgäre Note, auf die man gut und gern hätte verzichten können. Was danach allerdings folgt, ist schon fast überragend. Ruhig und düster wird vorwiegend von Streichern ein dezenter und dennoch intensiver Rahmen geschaffen, über den sich dann der gewaltige Gesang von Frau Flemming wie ein Teppich ausbreitet. Das Resultat ist eine schwermütig-bedrohliche Klangwelt, die stark in sich gekehrt ist und genau dazu den Hörer verführt. Clevererweise wird hier nicht der Fehler begangen, selbst irgendwelche halbgaren kitschigen Texte zu verfassen, sondern man bedient sich direkt bei dichterischen Größen wie Heine, Shakespeare oder Storm, was den Stücken sehr gut zu Gesicht steht. Als man gerade so richtig schön in den Sound von Bacio di Tosca hinein gesunken ist, wird man leider vom schrecklichen Aussetzer "Scheidung" heraus gerissen. Unnötigerweise erweitert man die Instrumentierung hier um eine E-Gitarre, die im besten Garagensound Powerchords zum Besten gibt, die jeder Gitarrenschüler in der ersten Woche lernt, sowie um ein Schlagzeug, das den Eindruck macht, als handele es sich dabei um an einen Verstärker angeschlossene Joghurtbecher. Glücklicherweise geht es im Anschluss so weiter, wie man es bis zu diesem Song gewohnt war. Keine Ahnung was das sollte, am besten man brennt sich die CD einfach nochmal und lässt dabei "Scheidung" und letztlich auch "Red Water" aufgrund des ekligen Basses weg, denn mit den restlichen Stücken kann Bacio di Tosca ordentlich Punkte einfahren. So allerdings ist "Der Tod und das Mädchen" eine gute bis sehr gute Neoklassik-Scheibe, die genau zwei Songs zuviel hat.