Dass die oftmals gefürchtete Globalisierung noch nicht alle Schublädchen unseres Alltags geöffnet und durchgefegt hat, kann man noch heute am norwegischen Quintett "Minor Majority" erkennen. Die Band gibt es seit über sieben Jahren und weist bereits ein enormes musikalisches Repertoire auf. Dennoch hat hierzulande ein Großteil der Folk verliebten Plattenhörer mit größerer Wahrscheinlichkeit noch nicht sehr viel von Minor Majority vernommen. Das ist ein bisschen schade, denn es gibt so manches Liedgut, das allein schon im Titel nach fadem Automatenkaugummi schmeckt. "Supergirl" gehört dazu. 2000 durch die Schmusekatzenrocker Reamonn veröffentlicht, liegt es uns in jedem erdenklichen liebesgeschichtlichen Kontext als Soundtrack ungefähr so schwer in den Ohren wie Germknödel mit Vanillesoße im Magen. Dabei geht es doch so viel unspektakulär schöner. Wenn Pål Angelskår mit schüchtern-brummigem Barriton "You’re such a snob, but you’re such a Supergirl" zu Bedenken gibt, will man ihm, seiner Akkustikgitarre und einem von der Ferne grüßenden Keyboard gerne ein offenes Ohr geben. Weltschmerz kann nämlich auch ganz gut und ehrlich klingen. Und wie gerne würde man dann die Musikgeschichte ein wenig umschreiben wollen. Musikgeschichte hat die Combo aus Oslo in ihrem Heimatland längst geschrieben. Deswegen kommt ihre aktuelle Veröffentlichung auch im opulenten Doppelalbumpaket daher, obwohl es sich eigentlich um ein "best-of"-Album mit Bonus-CD handelt. Das ist gar nicht unclever gedacht. In der Heimat, in der die Band regelmäßig in ausverkauften Konzertsälen aufspielt und große Sympathie erfährt, können sich Minor Majority bereits eine Retrospektive leisten, während hiesige Ohren den "best of"-Charakter wohl gar nicht wahrnehmen werden. So erschien auch das besungene „Supergirl“ bereits 2006 auf dem vierten Studio-Album „Reasons To Hang Around“. Es muss auch das Rad nicht immer gleich neu erfunden werden, wenn man es noch gar nicht überall kennt. Dennoch stößt vor allem die Bonus-CD auf großes Wohlgefallen. Hier gibt es nicht nur charmante Denkanstöße für das durch die weibliche Emanzipation gebeutelte, männliche Ich: "I think my aim is to understand, what really makes a man and if it's fair to say "i am" [...] just be silently aware" ("Silently Aware"). Es ist die perfekte seelische Lockerungsübung, wenn der winterliche Griesgram auf Kriegsfuß mit sich und dem Rest der Welt steht. Da wird aus verbocktem Stampfen schnell ein zaghaftes Wippen, wenn auch mal das Schlagzeug den Discofox für den Pop wiederentdeckt ("Somebody Else's Baby"). Vielleicht wird Weihnachten ja doch ganz nett.