Über Sinn und Unsinn einiger Band-DVDs lässt sich bekanntlich streiten. Sind sie doch ein gutes Mittel, dem Künstler ohne weiteren Aufwand ein zusätzliches Sümmchen zu verschaffen. Natürlich sollte man sich hüten, einem Interpreten solch schändliche Hintergedanken anzudichten, doch es gibt Situationen, wo das nicht hundertprozentig gelingen mag. Unmittelbar nach dem zweiten Album melden sich Blackfield mit "Blackfield NYC" erstmalig auf visuellem Medium zu Wort. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, besonders, weil es sich um einen Live-Mitschnitt handelt. Ihre Musik allein macht neugierig auf die Konzert-Wirkung selbiger. Und wer sie bisher nie live sehen konnte, hat hier wenigstens ansatzweise die Möglichkeit. Aufgezeichnet wurde der Gig am 16. März diesen Jahres in - wie der Titel schon vermuten lässt - New York City. Als Location wählte man den Bowery Ballroom, einen gemütlichen Club, dessen lauschiges Ambiente perfekt zur melancholischen Atmosphäre der Musik passt. Bei einem Konzertbericht wäre dadurch allein schon die halbe Miete eingefahren. Auch die Wahl der Songs dürfte kein Kopfzerbrechen bereitet haben. Lediglich vier Songs der beiden Platten schafften es nicht in die Playlist, dafür jedoch ein Cover von Alanis Morissettes "Thank You", welches Stven Wilson unter Begleitung von Aviv Geffens Piano zum Besten gibt. Wer tatsächlich dabei war, dürfte zweifelsohne sein Geld lohnend investiert haben. Anders sieht es leider für den Menschen vorm Bildschirm aus. Was das Publikum des Bowery Ballroom noch als intime Atmosphäre einlullte, erscheint dem Betrachter der DVD schnell als relativ unspektakuläre Show. Klang und Performance sind erwartungsgemäß erstklassig, doch die magere Action und bescheidene Bühnen-Präsenz schmälern das Vergnügen umgehend. Da tröstet selbst ein hervorragend abgemischter 5.1 Sound nicht über den fehlenden Erinenrungswert der Show hinweg, der für das echte Mittendrin-Gefühl so wichtig wäre. Gut, man erwartet von einer Band wie Blackfield kein GWAR-Theater, doch zieht man alles Nicht-Nennenswerte ab, bleibt am Ende allein die gute Musik, die man in nahezu identischer Version schon auf beiden Alben findet. Auch sonst präsentiert sich "Blackfield NYC" recht bescheiden. Der einfachen, doch schicken Digi-Pack-Hülle liegt ein schmales Begleitheftchen mit Fotos bei. Jedes davon findet man auch auf der DVD wieder. Das Auswahl-Menü beschränkt sich völlig auf ein Standbild mit Publikums-Geräuschkulisse. Das Motiv: Ein knittriges Foto der New Yorker Skyline mit den noch vorhandenen Twin Towers. Wählen lässt sich ansonsten nur zwischen dem kompletten Konzert, der Playlist, dem Audio-Setup und den Extras. Diese hätten auch etwas reichhaltiger sein können. Neben Credits und einer mäßig spannenden Foto-Show finden sich nur drei Promo-Videos zu den Songs "Hello", "Pain" und "Blackfield". Diese sind allerdings durchaus sehenswert und entstanden unter der Leitung von Lasse Hoile, der schon für Porcupine Tree überzeugende Arbeit zu leisten wusste. Zusammengefasst halten sich die Argumente für eine Investition leider in Grenzen. Es mag sein, dass die DVD einfach zu früh erschien. Sie krankt an den zu kargen Extras und der nicht vorhandenen "besonderen" Tracklist aufgrund zu weniger Veröffentlichungen. Gerade deshalb empfiehlt sich eine Anschaffung wohl nur denen, die nicht auf den Surround-Sound verzichten möchten. Alle anderen Interessenten sind mit den beiden LPs wesentlich besser bedient, die es mit etwas Glück auch zusammen für den Anschaffungspreis der DVD gibt. Tracklist: 01 Once 02 Miss You 03 Blackfield 04 Christenings 05 The Hole In Me 06 1000 People 07 Pain 08 Glow 09 Thank You 10 Epidemic 11 Someday 12 Open Mind 13 My Gift Of Silence 14 Where Is My Love 15 End Of The World 16 Hello 17 Once (Encore) 18 Cloudy Now Bildformat: 4:3 Spieldauer: 92 Minuten