"Scream for me Long Beach!!! Scream for me Long Beach!!!" Hand aufs Herz, "Live After Death" ist nun wirklich das ultimative Live-Album des Heavy Metal. Längst überfällig, erscheint endlich die DVD zum Konzert, das schäbige alte VHS-Tape hat also ausgedient. Die DVDs von "Rock In Rio" oder "Death On The Road" mit fragwürdiger Optik und hektischem Schnitt könnte man gleich mit entsorgen. 1985 spielte die Band ganz in der Nähe von Los Angeles an vier ausverkauften Abenden hintereinander. Doch trotz guten Ausgangsmaterials ist die neue DVD mit dem legendären Konzert in der Long Beach Arena nicht das Maß aller Dinge. Dass die Show damals auf 35mm gefilmt wurde, erkennt man leider nicht. Das Bild flimmert leicht und wurde offensichtlich kaum gemastert. Auch das Format ist immer noch 4:3, warum? Dafür sind Schnitt und Fokus der Show angenehm übersichtlich. Auf Audioseite gibt es zwei Tonspuren zu verbuchen: den ursprünglichen Stereomix vom Ex-Produzenten Martin Birch und einen neuen 5.1-Mix des Originalkonzerts vom aktuellen Produzenten Kevin Shirley. Doch die ganz tolle Atmosphäre will nicht aufkommen, weil entweder der Gesang oder das Publikum zu leise sind. Und wer zuhause mit keiner besonderen Anlage ausgestattet ist, ist ganz aufgeschmissen. Entschädigung bietet möglicherweise das umfangreiche Bonus-Material. Da ist zunächst der zweite Teil der "History Of Iron Maiden". (Der erste Teil war ja als Stand-Alone-DVD erschienen und hat sich wohl nicht so gut verkauft.) Das ist ein schöner, unterhaltsam aufbereiteter Einblick in Maidens beste Zeiten. Bei "'Ello Texas" handelt es sich um ein viertelstündiges Feature, dass die Band live in San Antonio und beim Blödeln vorm Alamo zeigt. Nett. Über Galerie und zwei überflüssige Promoclips (die der Fan dank "Visions Of The Beast" schon besitzt) braucht man nicht zu sprechen. Ein großer Leckerbissen wäre hingegen der 50-minütige Auftritt beim Rock in Rio '85 vor 350.000 (!!!) Leuten! Doch die miserable Bild- und vor allem Tonqualität trüben die Freude. Ein wahres Highlight ist eine weitere Dokumentation. "Behind The Iron Curtain" zeigt Iron Maiden auf ihrer ersten Tour durch den Ostblock. Der Schwerpunkt liegt auf Polen. Wer hätte gedacht, dass unsere Nachbarn schon damals so verrückt nach der eisernen Jungfrau waren. Und die Band gibt sich ungewohnt volksnah, spielt sogar ein Fußballspiel gegen polnische Musikredakteure. Lustiger Höhepunkt ist ein Gespräch zwischen Bruce Dickinson und einem Fan, der ihm erklärt, dass er Heavy Metal auf Synthesizern spielen will. "Man kann Heavy Metal nicht auf Synthesizern spielen", erklärt Bruce, woraufhin der Fan erwidert: "Ja, will ich aber." "Live After Death" ist eine ambivalente Geschichte. Mehr als fünf Stunden Iron Maiden, mal in Jeans, mal in Spandexhosen, auf und hinter der Bühne, gestern und heute, mit langen und mit kurzen (bzw. wenigen) Haaren, da sollten eigentlich keine Wünsche offen bleiben. Doch qualitativ bietet die Doppel-DVD einfach viel zu wenig, und die Vorteile vom Wechsel VHS zu DVD wurden nicht ausgenutzt. Da werden nicht nur Puristen enttäuscht sein. Was zu den Metal-Highlights des Jahres gehören könnte, ist nun nur noch ein Pflichtkauf für Iron Maiden-Fans, aber mit bitterem Nachgeschmack.