Für ihr drittes Werk haben Hot Chip - zumindest partiell - das heimische Schlafzimmer verlassen und sich in ein richtiges Studio begeben. Die im Sommer angedrohten Live-Im-Studio-Jams sucht man zwar vergebens - aber: Dieser Chip bleibt heiß. So heiß, dass sich manch ein vom Feuilleton angelockter Novize glatt die Ohren verbrennen dürfte! Und davon dürfte es dieses Mal etliche geben, sickerte der Vorgänger "The Warning" noch langsam in das Bewusstsein des Durchschnittshörers ist "Made In The Dark" das erste Hot Chip-Album, welches tatsächlich ERWARTET wird. Nicht weniger als der neue Konsens und die Rettung der Musik soll es sein, ganz so als ob es Scritti Politti, A Certain Ratio oder die frühen New Order niemals gegeben hätte. Von Massive Attack und Primal Scream ganz zu schweigen. Wie man derartig überzogenen Erwartungshaltungen begegnet? Ganz einfach: Man raut seinen Sound gewaltig auf und jagt ihn in die Breite. Alleine der Opener "Out at the Pictures": Zunächst schleicht man sich unauffällig an, liefert dann das 2008er Update eines John Barry-007-Soundtracks und stampft im Mittelteil schließlich so ungestüm los als wollte man jungen New Rave-Emporkömmlingen wie den Klaxons - die letztes Jahr den Mercury Award erhielten für den Hot Chip 2006 "nur" nominiert waren - zeigen wo der Hammer hängt. Erst im dritten Song - der Single "Ready For The Floor" - taucht zum ersten Mal eine jener typischen Hot Chip-Melodien auf, die "The Warning" so herbstlich funkeln ließen. Und genau hier liegt das Problem; flossen Tracks wie "Boy From School" oder "Colours" federleicht dahin und erzeugten ein angenehmes Gefühl von Schwerelosigkeit wird man auf "Made In The Dark" von der schieren Fülle der Ideen, Breaks und Einflüsse erschlagen; hier ein arabisch anmutendes Muster, dort ein abrupter Breakbeat und im nächsten Moment eine Anleitung zum aktiven Hören von Stereo-LPs:"This game is called 'Sounds Of The Studio'" Zweifelsohne ein schönes Spiel aber leider auch eins, das Hot Chip auf ihrem dritten Album ein wenig zu exzessiv spielen. So ist "Made In The Dark" zwar eine gute, teilweise auch sehr gute Platte insgesamt aber spröder und schwer zugänglicher als "The Warning". Der Sound ist partiell so dicht, dass das Ohr leicht den Überblick verlieren kann. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen! The next big thing? Nur sehr partiell!!! PS: Wie seine beiden Vorgänger erscheint auch "Made In The Dark" als Vinyl, pünktlich zum VÖ stand die britische EMI-Pressung in den Läden. War die UK-Ausgabe von "The Warning" als Doppel-Album mit Bonus-Single noch relativ teuer kommt "Made In The Dark" als preiswerte Einfach-LP, erneut im schönen Prägecover. Damit entfällt auch der einzige Grund auf die US-Pressung von Astralwerks zu warten. Billiger kann sie kaum sein dafür steckt sie wahrscheinlich wieder in einer glatten 08/15-Hülle. Und das braucht ja nun wahrlich kein Mensch!