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Seit Anbeginn der Menschheit ist die Frage nach dem "Warum" so eng mit unserer Existenz verknüpft, dass die Suche nach einer passenden Antwort maßgeblich für unsere Entwicklung verantwortlich scheint. Wie konnte aus der Verbindung zweier Chemikalien plötzlich das erste Leben entstehen? Welchen Zweck hatte das alles?
Eine der Wissenschaft nicht unbekannte Theorie geht davon aus, dass die erste DNS gar nicht von der Erde stammt, sondern durch einen eingeschlagenen Asteroiden aus dem All auf unseren Planeten transportiert wurde. In passender Umgebung der Atmosphäre tat anschließend die Evolution ihr Übriges.
Genau jene Theorie greift Arjen Lucassen drei Jahren nach "The Human Equation" auf, um sie in seinem neuen Werk kräftig zu erweitern. Die Weltraum-Oper "01011001", deren binärer Titel für den Buchstaben "Y" steht, macht uns demnach zu direkten Nachfahren der Bewohner des Planeten "Y". Sie sind ein hoch entwickeltes Meeresvolk, dessen technische Abhängigkeit und Verlust aller Emotionen sie schließlich gegen die evolutionäre Mauer zu setzen droht. Als letzte Rettung ihrer Art beschließen die Bewohner, ihr Erbgut auf einem Kometen reitend zur Erde zu schicken. Der Ausweg glückt, doch auch der Mensch läuft schon bald Gefahr, das Schicksal seiner Vorfahren zu wiederholen.
Man darf Lucassen getrost eine musikalische Version Steven Spielbergs nennen. Seine ausgefeilte Erzählstruktur erstreckt sich über gleich zwei Cds. Während die zweite Scheibe "Earth" uns und unseren Planeten recht gesellschaftskritisch beleuchtet, eröffnet "Y" den Blick zum Ursprung und in die mögliche finstere Zukunft, die uns erwarten könnte.
Dabei beginnt "Y" erwartungsgemäß düster. Ein Planet steht vor dem Untergang, und so soll es auch klingen! Ein Klangteppich aus atmosphärischen Synthesizern und melancholischen Melodien geleitet uns geradewegs zum "Ausbruch" der Space-Opera, welche sich spätestens zu "Liquid Eternity" in aller Breite entfaltet. Wie man es von Ayreon gewohnt ist, werden Weltraum und Unendlichkeit gekonnt monumental vertont. Die gewaltigen Klangmassen umhüllen den Hörer und sorgen bei Ayreon-Fans für uneingeschränkte Begeisterung. Große Töne, mal mehr im metallischen Bereich angesiedelt, mal eher im Folk! Mit "Connect the Dots" findet sich sogar ein Song, den man getrost als Pop bezeichnen darf. Ansonsten gibt es alles, was man bereits von Ayreon gewohnt ist: Zarte Melodien, epochale Chöre, hämmernde Orgeln, mächtige Riffs und mitunter beeindruckender Gesang. Es ist kaum verwunderlich, dass besonders Letzterer für die Größe des Albums verantwortlich ist. Wie schon früher konnte Arjen Lucassen eine monströse Zahl von Business-Größen zusammentrommeln, die fleißig für Qualität und Abwechslung sorgen. Insgesamt 17 Gastmusiker gaben sich die Ehre, darunter auch Anneke Van Giersbergen (Ex-The Gathering), Jonas Renske (Katatonia), Hansi Kirsch (Blind Guardian), Floor Jansesn (After Forever), Jorn Lande (Ex-Masterplan), Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) und Ty Tabor (King's X).
Während es große Freude bereitet, Musiker wie Jonas Renske mal außerhalb ihrer Bands erfolgreich agieren zu sehen, gehen andere von ihnen kaum erkennbar im Klangstrudel unter. Das ist schade, tut der Gesamtqualität aber keinen Abbruch.
Unterm Strich bleibt zu sagen, dass man mit "01011001" voll auf seine Kosten kommen dürfte, sollte man von Ayreon nicht grundsätzlich Neues erwarten. Es wiederholt zwar seine Vorgänger nicht direkt, schlägt vom Stil her jedoch deutlich in die gleiche Richtung. Eine weitere bombastische Weltraum-Metal-Oper, an der nicht nur Ayreon-Fans gefallen finden sollten!
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