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Manchmal kann man vor Glück sagen, dass man gewisse CDs doch weit vor dem eigentlichen Release erhält. Es gibt Alben, die hört man einmal, weiß sofort, was man davon hält und kann das auch in Worte fassen. Doch manchmal - leider allzu selten - gibt es CDs die erst nach langer Zeit ihren Charme offenbaren.
Dazu gehört auf jeden Fall "Le Fol", das zweite Werk der skandinavischen All-Star Combo Audrey Horne. "Le Fol" bedeutet im (Alt-)Französischen sowohl "der Verrückte" im tatsächlichen Leben sowie "der Joker" im Kartenspiel. Beides passend für dieses Album.
Benannt wurde die Band nach einem Charakter von David Lynch; allerdings war die Musik der Band auf dem Debutalbum "No Hay Banda" gar nicht so verschroben, wie es die Reminiszenz an Lynch und seine skurrilen cineastischen Werke suggerierte. Doch anstelle beim Zweitwerk nun auf Nummer sicher zu gehen und noch poppiger, eingängiger oder einfacher zu werden, gehen Audrey Horne den entgegengesetzten Weg.
War das Debut noch geprägt von jeder Menge typisch nordischer Einflüsse wie der mittleren Schaffensperiode von Amorphis, so ist die Vielzahl an Eindrücken die das neue Werk enthält kaum greifbar. Da ist sicherlich als Überbegriff "Alternative Metal" wählbar - den Kern der Sache mag das treffen, aber eine gute Beschreibung ist es beileibe nicht. Zu oft hat man das Gefühl an Dinge erinnert zu werden, bloß um dann kurz danach mit einem "nee, doch nicht" wieder bei Null anzufangen.
Die Musik ist eingängig, wenn auch erst mit der Zeit die ganze klare Linie der Melodien entfaltend, stellenweise mit krachigen, lauten Ausbrüchen, dann wiederum mit typischen Dimmu Borgir-mäßigen Keyboards dazwischen, hier ein wenig Amorphis’scher Pathos, dort ein wenig Hellacopters-mäßiger Rock, und alles doch irgendwie falsch. Lediglich bei "Pretty Girls Make Graves" und "Bright Lights", zwei absoluten Highlights der Scheibe, lässt sich erkennen, was das wohl ist, was Audrey Horne hier anbieten.
Grunge. Modernster Grunge. Alice in Chains und Nirvana 15 Jahre später mit Black Metal-Keyboards und deathmetalligen Gitarren. Vom allerfeinsten, mit dem weinerlichen Gesang, der depressiven Melodieführung. Dann bricht es allerdings mitten im Song aus der Band heraus - verzerrt wie Ministry.
Oder doch nicht?
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