Backstreet Noise aus Coburg legen Wert auf gefühlvolle Texte, wofür ihnen mit ihrer ersten CD "Taktgefühl…!?" sowie der Platte "MRCDS" auch glatt der Emo-Stempel aufgedrückt wurde. Mit ihrem gerade erschienenen neuen Album "Nächste Ausfahrt: Hollywood" setzen sie diese ihre selbst gewählte Tradition fort und dürften damit wieder vor allem das jüngere Publikum in Verzückung versetzen. Zumal der "Pulp Fiction"-Bezug des Covers nach wie vor gut ankommen dürfte. Und wen das alles noch nicht überzeugt, der wird vielleicht bei dem unschlagbaren CD-Preis von nur 5 Euronen weich. Aber zurück zur Musik. Der klare Pluspunkt der Band, die in diesem Jahr übrigens schon ihr Zehnjähriges feiern kann, ist die Stimme von Sänger Matze. Dreckig, ist sie. Da liegt der Punk drin. Nur leider bleibt die Musik allzu oft meilenweit dahinter und muss eher in der Kategorie braver Mädchen-Punk einsortiert werden. Es gibt ein paar nette, schnellere Songs, wo Tempo und Melodie stimmen – so etwa bei "Vergiss den Rest" oder vor allem "Du und ich und Hollywood". Und dank der unverzichtbar gewordenen Ska-Trompeten ist auch "Endorphin und O2" ein Anspieltipp. Dennoch ist im Schnitt jedes zweite Lied lahm, bemüht und emotional aufgeladen. "Freischwimmer vs. Ertrinken" beispielsweise versprüht einen unerträglichen Pathos und macht das Zuhören wirklich schwer. Auch die restlichen Texte sind oft arg belanglos und angepasst, wie schon der Songtitel "Ein bisschen wie H&M" erahnen lässt. Naiv-versöhnlich und zuweilen altklug kommen sie Grönemeyer-like daher, wenn es heißt "Es ist OK, wenn du jetzt gehst... // Liebe kommt und geht" oder ganz banal "Lass uns das Leben spüren". Und wirklich übel nehmen kann man der Band die so auffallend geklauten Textpassagen von "Mercedes. Stoppschilder. Rote Ampeln". So was gab´s doch schon mal, als Aufbruch ihren "Abend in der Stadt" besangen! Fazit: Möglich, dass Backstreet Noise live ganz nett klingen. Im CD-Player muss man sie nicht haben.