Diese Band Blickfeld ist nicht zu verwechseln mit einer zweiten Band gleichen Namens, die sich rund um das schnucklige Pärchen Toni und Jörg gegründet hat und auf ihren Fotos lustige Verrenkungen veranstaltet. Nein, unser Blickfeld nehmen hier vier junge Männer aus Braunschweig ein, die nicht so brav daher kommen und sich stylish mit Schlips, Hosenträgern und langem Bart geben. Und die gerade den bisherigen Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere erleben durften und Ende letzten Jahres J.B.O. auf deren Tour supporten durften. Nach eigener Auskunft auf der Blickfeld-Homepage war das "affenbusentittengeil". Nachdem das nun geklärt ist, kann man sich also ihrem Erstlingswerk "Aus'm Stand" zuwenden. Soviel sei vorweggenommen: Überzeugen können Blickfeld aus'm Stand nicht. Das wird gleich mit dem ersten Song klar, der ebenfalls den Namen der Band trägt und das Album zwar temporeich eröffnet, aber doch sehr brav konstatiert: "Blickfeld sagt Euch Guten Tag." Und viel mehr Kreatives darf man im Folgenden nicht erwarten. Mit lustig-leichtem Sound und ab und an ein bisschen Tempo wird wieder eine banale Poppunk-Scheibe präsentiert, die sich direkt in die Herzen aufgedrehter Teeniegirls spielen soll. Textlich werden natürlich unglückliche Beziehungsgeschichten bemüht und dabei unreife Statements gebracht wie "[ich] brauch´n neues Revier" oder die uninteressante Frage gestellt, ob Liebe länger als Freundschaft hält. Die Blickfeld-Dichtkunst gipfelt dann in so traurigen Zeilen wie: "Ich steh vor meinem Haus, in meiner Wohnung sind alle Lichter aus. Früher war da noch ein kleines Licht, doch diesmal brennt es nicht." Aber man guckt sich auch mal ein bisschen in der Gesellschaft um und macht sich über Super-Popstar-Castings lustig. Außerdem versuchen sich Blickfeld an härteren Themen und scheitern glatt mit einer sehr bemühten Geschichte von Knast und Blut. Und "Keiner da" liest sich wie eine Zusammenfassung der beiden Dritte Wahl-Lieder "Sonne und Meer" und "Lebenslänglich". Interessanterweise wissen Blickfeld anscheinend genau, was sie da machen, und besingen all das, was man so an ihnen kritisieren kann (und muss), treffsicher in "Das ist Musik". Damit ist ihr Anspruch klar. Wer's mag...