Politisch Interessierten sind sie schon lange ein Begriff, die italienischen "Panzerknacker", wofür Banda Bassotti steht. Vor mehr als 25 Jahren fanden sie sich in Rom zusammen und verliehen seither der Redskin- und Antiimp-Bewegung ihre Stimme. StimmeN muss es heißen, denn wie es sich für ordentliche Ska-Band gehört, wartet Banda Bassotti mit ganzen neun Mitgliedern auf. Bis zu ihrer temporären Auflösung 1996 feilten die Italiener mit politisch eindeutigen, aber nicht unumstrittenen Texten an ihrem klassenkämpferischen Image, wozu gehörte, dass sie auch immer mal wieder alte Partisanen- und Arbeiterlieder aus der Mottenkisten holten und tanzbar aufbereiteten. Wie es scheint hat die Band in den fünf Jahren, als es sie nicht mehr gab, kräftig neue Energien geschöpft. Seit ihrem Comeback im Jahre 2001 haben sie mit einer Ausnahme jedes Jahr ein neues Album veröffentlicht. Jetzt ist Nummer Neun mit dem spanischen Titel "Viento, lucha y sol" ("Wind, Kampf und Sonne") erhältlich. Der Hörer wird mit "Figli di…" sanft eingestimmt mit einem lässigen Rocksteady-Sound, der im kraftvolleren Refrain von härteren Gitarren abgelöst wird. Dass das auch schneller geht wird mit Lied 2 namens "Cuere Malato" klar, das sich wesentlich tanzbarer und mit anregenden Bläsern zeigt. Und so gleitet das Album meist mit dezentem Tempo im 2-tone-Stil dahin. Der Gesang passt zu den ruhigeren Stücken, wirkt auf Dauer aber ein bisschen lahm. Verstärkung weiblicher Art hat man sich da für den Song "Insciallah Mi Amor" geholt, und bei "Viento Nuevo" half Pulpul, der Leadsänger von Ska-P, mit. Noch mehr Ska-Punk kommt bei Stücken wie dem großartigen "Bocciati" durch, dessen hymnischer Refrain Singalong-Qualitäten hat. Und das traditionelle "El Hijo del Pueblo" lebt auch in der Neuauflage von seinen mexikanischen Trompeten. Hier, wie auch bei anderen Songs, schwingt der Text ins Spanische um. Von der Livetauglichkeit all dessen ist man schnell überzeugt; überprüfen ließe sich das im Juni, wenn Konzerte in Deutschland anstehen. Wer des Italienischen mächtig ist, der kann sich zusätzlich mit den engagierten und kontroversen Texten auseinandersetzen und hat als Pluspunkt noch ein bisschen Lektüre im Booklet.