Eigentlich sind billige Wortspiele mit Song- oder Albumtiteln ziemlich ausgelutscht, doch im Falle von Blinded Rain fragt man sich tatsächlich, wohin die Reise denn führen soll. Die drei Finnen haben sich einer kraftvollen Mischung aus Gothic- und Power Metal verschrieben, die den Hörer hin- und hergerissen zurücklässt. Zunächst die positiven Seiten. "Destination Unknown" besitzt dank des Masterings in den Finnvox-Studios einen wahnsinnig druckvollen und für diese Art Musik essentiell wichtigen Sound. Die Gitarren gehen wuchtig in die Vollen, das Drumspiel ist vielseitig und ausgereift, die Keyboards nicht zu aufdringlich. Sänger Kaide, der stellenweise an den Entwine-Frontmann Mika Tauriainen erinnert, macht seine Sache hervorragend und verleiht den Songs mit seiner kräftigen Stimme eine angenehme Härte, die man so von finnischen Bands gar nicht gewohnt ist. Und jetzt das große Aber: Woran die Songs wirklich kranken, sind geile Refrains. Die gibt es nämlich überhaupt nicht. So entsteht schnell der Eindruck, dass Stücke wie der Opener "Sandcastle Star" oder "Last Dance Till Dawn" trotz ihrer sehr guten Anfänge nie richtig auf den Punkt kommen. Dadurch fehlt der Pepp, der Wiedererkennungswert, der Moment, der einen laut schreien lässt "Ja, das isses!". Stattdessen wartet man sehnsüchtig und umsonst auf diesen Augenblick. Da könnte man zur Sau werden, denn das Grundgerüst ist richtig stark. So muss sich der Bayern-Hasser fühlen, wenn Luca Toni & Co. bis zur 90. Minute hinten liegen und dann doch noch den Ausgleich machen. Das Gute wiederum an der ganzen Sache ist, dass man bei Blinded Rain im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen des Gothic Metal eindeutig das große Potential heraushört. Somit ist die Hoffnung, in der Zukunft ein Hammeralbum des Trios in den Händen zu halten, mehr als berechtigt. Jammerschade, aber hier und heute reicht es nur für eine gute Drei.