Gute Idee! Iron Maiden, derzeit erfolgreich wie nie, wollen ihren jüngeren Fans den älteren Katalog nahebringen, indem sie diese Scheibe gratis zum Download anbieten. Nach dreimaligem Hören ist allerdings ein kostenpflichtiger Upgrade nötig. Ob die gute Idee wirtschaftlich fruchtet, ist leider genauso fraglich wie die Zusammenstellung. Das fantastische Artwork von "Somewhere Back In Time" setzt sich aus "Powerslave" und "Somewhere In Time" zusammen. Von ersterem sind mit "2 Minutes To Midnight", "Aces High" (allerdings live) und dem Titelsong aber nur die Songs dabei, die man ohnehin auf fast jedem Konzert (und Live-Album!) zu hören bekommt. Warum nicht mal ein Meisterwerk wie "Rime Of The Ancient Mariner"? Es geht aber noch schlimmer! "Somewhere In Time", vom Songmaterial eines der stärksten Maiden-Alben, ist nur "Wasted Years" drauf, eine Schande! Es ist Zeit, dass Steve Harris und Co. mal "Deja-Vu", "Sea Of Madness" und "The Loneliness Of The Long Distance Runner" rauskramen. Dass "Heaven Can Wait" nicht dabei ist, überrascht umso mehr. Dasselbe mit zwei weiteren Klassikern: Von "Seventh Son Of A Seventh Son" gibt es nur "The Evil That Men Do" und "Can I Play With Madness". (Auf der aktuellen Tour ist immerhin das sensationelle "Moonchild" im Set.) "The Trooper" ist die einzige Nummer von "Piece Of Mind". Wie bitte? Wo sind "Flight Of Icarus", "Still Life"? Soll man Iron Maiden wirklich kennenlernen oder nur Bekanntes wiedererkennen? Wie konnte es anders sein? Von "The Number Of The Beast", das sicher für viele das beste Maiden-Album sein mag, sind die üblichen vier Titel vertreten, die bei 99 Prozent aller Gigs gespielt werden. Und mit den Live-Versionen von "Wrathchild", "Iron Maiden" und "Phantom Of The Opera" hat man Original-Frontmann Paul DiAnno quasi wegretuschiert. Dass die CD den Untertitel "The Best Of 1980-1989" trägt, grenzt an Unverschämtheit. So kann man niemanden an die alten Werke heranführen. Jedem Maiden-Afficionado mit Lücken in seiner Sammlung, ob jung oder alt, sei die 99er-Compilation "Best Of The Beast" ans Herz gelegt, idealerweise in der Doppel-CD-Edition. "Somewhere Back In Time" ist in dieser Form jedenfalls das überflüssigste Album der Welt. Dass sämtliche Tracks und die Aufmachung großartig sind, ändert daran nichts.