Nur acht Songs auf einem Album? Da könnte der Verbraucher stutzig werden, ob das sein Geld auch wert ist. Aber wir haben es hier mit sehr gründlichem Stoner-Rock zu tun, der sich Zeit nimmt zur richtigen Entfaltung. Und so breitet Brant Bjork sein neues Werk doch in stattlichen 47 Minuten vor dem Hörer aus. Es ist sein sechstes Album, aber der Mann mit den schwer zu zähmenden schwarzen Locken wandelt noch nicht lange und schon gar nicht ausschließlich auf Solopfaden. Mit seinen diversen Projekten von Kyuss über Fu Manchu bis hin zu BB & The Bros bringt er im Schnitt zwei Platten pro Jahr auf den Markt. Da überrascht es kaum, dass das Material zu "Punk Rock Guilt" schon seit zweieinhalb Jahren auf Halde lag. Aber keine Angst, es klingt keineswegs überholt. Leicht angestaubt vielleicht, aber das macht diesen Low Desert Punk, wie Brant Bjork passend sein dazugehöriges neues Label genannt hat, erst zu dem was er ist. Verdammt cool. Wenn man die CD in den Player geschoben hat, wird einem ganz schnell klar, dass man sich jetzt erstmal zurücklehnt und eine ganze Weile jede Hektik vermeidet. Lange Intros und Instrumentalparts mit einer dunklen, tragenden Gitarre und ein lässiges, ausgeruhtes Tempo prägen das Album. Die entspannte Atmosphäre des Kellerstudios in den Wäldern von New Jersey und die wohltuende Wirkung von ein paar Tequilas und Whiskeys, mit deren Hilfe das Album aufgenommen wurde, sind in jeder Note spürbar. Brant Bjork soll alle Instrumente selbst und spontan eingespielt haben. Vermutlich ist die ins Psychedelische gehende schlingernde Gitarre von "This Place" zu späterer Stunde entstanden, als die Flasche schon halb leer und nicht mehr halb voll war. Immer klingt Bjorks Spiel aber andächtig, dicht und eindinglich, genau wie seine Stimme, die er oft sparsam, aber immer mit sicherem Gefühl einsetzt. Sehr ehrlich, sehr intensiv. Nichts für Hyperaktive.