Es ist heiß, die Sonne brennt senkrecht auf den Kopf und es scheint, als ob es nirgendwo Schatten gäbe. Stattdessen ist überall Sand, so weit das Auge reicht. In einiger Entfernung, die genau Distanz ist nicht auszumachen, ist eine Luftspiegelung zu beobachten. Allmählich ist der Lärm einer vorbeirollenden, sandfarbenen Kolonne aus HMMWVs und Panzern zu hören. Doch plötzlich trifft eine aus dem Hinterhalt abgeschossene Rakete eines der Fahrzeuge, das in explodiert und in Flammen aufgeht. Intuitiv denkt man an die Tv-Berichterstattung während dem Irakkrieg. Die Texaner Broadcast Sea, allen voran Sänger und Gitarrist Sterling Cash, erzählen auf ihrem Debütalbum ''Wounded Soldier'' von den Leiden die dieser Krieg verursacht hat. Auch wenn genaue textliche Bezüge vermieden werden, darf man sich aufgrund des Klanges und einer gewissen Hintergrundinformation sicher sein, welcher Krieg hier beschrieen und beklagt wird. Denn laut Cashs Aussage ist sein Bruder ein, im Irak stationierter, US-Soldat. Die Texte handeln dementsprechend auch vom Elend des Individuums in diesem Krieg, oder von den Gefühlen der Familienangehörigen zu Hause. Musikalisch klingen Broadcast Sea, wie ein Meet-and-Greet zwischen Nirvanas ''School'', den Cancer Bats und Shellac. Da erheben sich dreckige Southern Rock Riffs über undeutliche militärische Anweisungen zu atmosphärischen Post Rock-Melodiebögen, die im Hardcore-Gelärme enden. Äuffällig ist die gezielte Verwendung von Übersteuerungen und anderen Soundelementen aus der Noise und Math Rock-Ecke. So endet im letzten der acht Songs ''As the Story continues'' der Gesang nach weniger als der Hälfte der Zeit, um die Musik alleine die abschließende Stimmung erzeugen zu lassen. Zwei der Songs stechen aus dem klanglichen Kontext von ''Wounded Soldier'' heraus. Das sind zum einen der Erste, ''We're a Dying Breed'', der hardcoretypisch kurz gehalten ist, die Post Rock-Ansätze fast gänzlich entbehrt und an Every Time I Die erinnert. Und zum anderen der Vorletzte, ''The News Came this Morning'', der wie ein verzerrt gespielter Song der Band Battles beginnt, um sich dann zum punkigsten Track von ''Wounded Soldier'' zu entwickeln. Abschließend sei erwähnt, wie routiniert, und das im positivsten Sinne dieses Wortes, Broadcast Sea hier auf ihrem Debütalbum klingen. Für hartgesottene Post Rocker, sowie Hardcoreler, die auch mal atmosphärische Klänge, statt Ganggeshoute hören wollen, empfehlenswert.