"With being an instrumental band, we can convey different genre styles without the lyrics" sagte Mike Sullivan vor kurzem in einem Interview und wusste nicht, wie passend seine Aussage die Essenz von "Station", dem neuen Album von Russian Circles, beschreibt. Es sind aber auch die Bilder, die dem Hörer vor dem innern Auge erscheinen und die Musik zu einen Erlebnis werden lässt. Schon 2005, als die selbst produzierte "Russian Circles EP" innerhalb von Wochen zum Verkaufshit avancierte, war abzusehen, was die Band mit ihrer instrumentalen Musik alles erreichen kann. "Enter" spielte sich als Geheimtipp" in die Herzen der Europäer, während das Album in Amerika die Köpfe der Musiknerds zerplatzen ließ. Seit 2006 hat sich einiges getan: Die Russian Circles wechselten auf Suicide Squeeze Records und Bassist Colin DeKuiper verließ die Band und wird derzeit von Brian Cook ersetzt, der sich bei Botch und These Arms Are Snakes einen Namen machte. Musikalisch nähert sich "Station" "Enter" an. Der erste Song "Campaign" beginnt, wie der Sonnenaufgang bei Kubricks "2001", mit einem sphärischen Rauschen, dazu ein sich wiederholender Gitarrenriff. Die Musik crescendiert mit den einsetzenden Drums zum Höhepunkt und fällt wieder in sich zusammen. Was bleibt ist das Gitarrenriff des Anfangs, bis im Vordergrund eine Melodie in Form von angespielten Gitarrensaiten entsteht, die bei der ersten Wiederholung schneller wird und ein harmonisches Riff bildet. Am Ende bleibt nur das sphärische Rauschen, welches in den nächsten Song "Harper Lewis" übergeht, der schneller und dunkler gespielt wird. Hier kommt die typische Klang von Russian Circles zum tragen, der kaum vom Vorgängeralbum abweicht. Im Gegensatz stehen sich harte Riffs aus dem Metalbereich und ruhige, zierliche und zerbrechliche Melodien, dazwischen treibenden Beats vom Schlagzeug und viel getappe auf der Gitarre, welche das musikalische Konzept vorantreibt. Das sollte der Hörer im Hintergrund behalten und sich dem Titel und dem Cover von "Station" widmen. Zu sehen ist ein Gruppenfoto der US- Army aus dem Zweiten Weltkrieg. Der erste und kurze Song "Campaign" zeigt auf eine ausgebreitete Karte in einer Kommandozentrale eines Armycamps, über die sich ranghohe Offiziere den Kopf zerbrechen. "Harper Lewis" könnte die erste Mission sein, in der es die ersten Opfer zu beklagen gibt und der Song "Station" könnte sich auf den Ruckzugsort der Truppen berufen, welcher nur im Krieg genutzt wird. Wem der Vorschlag zu militaristisch erscheint, der kann seine Gedanken auch auf Nationalparks und Bergland schweifen lassen. Das waren nämlich die eigentlichen Inspirationsquellen von "Station". Oder man befragt seine eigene Fantasie, denn Stoff zur Gedankenspinnerei bietet "Station" genug um ein Zirkuszelt daraus zu schneidern.