Diesem Album kann man eigentlich nur mit gemischten Gefühlen begegnen. Zum einen ist da der Hype, der zumindest in den USA um diese fünf 15- bis 19-jährige talentierten Musiker aus Miami, Florida gemacht wird, die sich auf ihrem Debütalbum bis zum Boden vor dem Metal der 80er verbeugen. So verwundert es schon ein bisschen, dass Black Tide bereits 2007 auf einigen Ozzfest-Shows auftraten - und das ohne ein Album im Rücken! Auch die Unterstützung durch die Plattenfirma, was Videoclips und sonstige Promotion angeht, hat angesichts tausender innovativerer Bands im Rock- und Metalbereich, die den beschwerlichen Weg zum Erfolg bestreiten müssen, einen etwas schalen Beigeschmack. Das musikalische Talent der Teenager in allen Ehren - aber dass Kids gute Musik mit Feuer unterm Hintern machen können, ist nun auch nicht das Allerneueste. James Hetfield war ja auch erst 19 als er mit seiner neuen Band Metallica anno 1982 das "No Life 'Til Leather"-Demo einzimmerte. Am Ende sollte das Alter der Beteiligten aber egal sein, sondern die Musik im Mittelpunkt stehen. Doch auch an dieser Stelle hinterlassen Black Tide einen zweispältigen Eindruck. "Light From Above" ist einerseits ein amtlich produziertes, sauber gespieltes, ordentlich rockendes Album mit einer ganzen Reihe guter Songs irgendwo zwischen Mit-80er Thrash, angedrecktem Glam Metal, wie ihn Skid Row auf ihrem ersten Album boten, NWOBHM-Melodien und einer Brise Sleaze Rock hier und da. Alles klar? Andererseits muss man aber auch feststellen, dass bei aller Huldigung vor den Vorbildern der 80er der eigene Stil auf der Strecke bleibt. Die Songs machen Spaß, aber irgendwie hat man alles schon mal gehört. Überraschungen wie beispielsweise das hervorragende Flamenco-Gitarren-Intro bei "Warriors Of Time" bleiben die Ausnahme. Über die Lyrics sollte man auch nicht allzu lange nachdenken ("I'm like a shockwave coming through your door - I'm like a bullet at the speed of light" wird man gleich zu Beginn von Klischees überrannt). Was der jungen Band bei allem deutlich zu hörenden Talent bei "Light From Above" leider völlig abgeht, ist so etwas wie Authentizität. Dass in den 90ern geborene Kids zufällig jetzt, da Thrash Metal wieder hip ist und die Retro-Rock-Welle rollt, bei einem Majorlabel mit einem Album um die Ecke kommen, dass beide Trends zu bedienen weiß, lässt einige Fragezeichen aufblinken. Das (ganz gute) Metallica-Cover "Hit The Lights" schielt mir denn auch zu sehr auf ein junges Mainstream-Publikum, deutet aber nicht darauf hin, dass Black Tide ein tiefergehendes Verständnis für die Wurzeln ihrer Musik haben - hier hätte man ruhig etwas tiefer in der Mottenkiste kramen dürfen. Dass die Produzenten Jason Suecof und Johnny K. bei mehreren Songs als Songwriter behilflich waren, unterstreicht nur noch das Gefühl, dass hier eine junge Band nach allen Regeln der Kunst gepusht werden soll, um ja viel Kohle mit der Bedienung eines Trends zu verdienen. Sorry Leute, aber das ist mir zu durchschaubar und zeigt sich auch in Songs, die eine Spur zu perfekt und routiniert klingen, um die Nackenhaare in die aufrechte Position bringen zu können. Wem das ganze Authentizitäts-Gequatsche des Rezensenten am Allerwertesten vorbei geht, kann sich über ein ganz unterhaltsames 80er-Jahre US-Metal/Hardrock-Album freuen. Nicht mehr, nicht weniger.