Mit ihrem neuen Album "Lazarus Bird" entfernen sich Burst weiter von ihrer durch Grind- und Crustpunk beeinflussten Anfangszeit und nähern sich dem progressiven Postmetalgenre an. Jedoch sollte das nicht in Zusammenhang mit dem Begriff "Ruhe" gebracht werden, denn von den Songs der aus Schweden kommenden Band geht eine Aggressivität aus, deren Ursache unter anderem in den harten Gitarrenriffs und dem Gebrüll von Linus Jägerskog und Sänger Robert Reinholdz liegt. Das sind übrigens die einzigen Elemente, die in den acht Songs des Albums gleich bleiben. Dennoch stellt jeder einzelne ein eigenes kleines Universum dar, unter dessen Oberfläche sich Details verstecken, die erst nach intensivem Hören an die Oberfläche treiben und zum Beispiel in Form eines clean gespielten Gitarrenriffs den Fokus auf sich ziehen. Auffällig ist das beckenfixierte Schlagzeug der Band, welches vermuten lässt, dass auch Burst den (Wieder-)Einzug des Jazz in die harten Gefilde der Musik registriert haben. Es hat den Anschein, als widmeten sie diesem Drumming ein eigenes Thema, denn diverse Stücke werden von einer jazztypischen Snare-Hihat Figur begleitet, was beim zweiten Stück "I Exterminate The I" beginnt. Mit einem Schlagzeugsolo und einem abgedämpften Gitarrenriff, baut sich zu Reinholdz´ Gesang eine gedämpfte Atmosphäre auf, die sich mit dem Einsatz von Jägerskogs Geschrei klärt und nach einem kurzen Break mit einigen elektrischen Soundeffekten in einen Ruhepunkt fällt. In diesem wird der Sound getappt, was ein typisches Element des Jazzcores ist und mit vielen Effekten in ein psychedelisches Vakuum geschleust, in welchem das Schlagzeug den Beat ändert und anfängt die Becken zu bearbeiten. Dieser Rhythmus wird beibehalten, während Bass und Gitarre sich in den Weiten der musikalischen Hochs und Tiefs verirren. Im Song "Nineteenhundred" besingen Burst ihre Liebe zum Freejazz und versuchen diesen auf ihre Art umzusetzen. Das Lied beginnt unscheinbar mit einem straighten Bass- und Gitarrenriff, das sich steigert und anfängt hektischer zu werden, bis wieder ein Bandtypischer Break einsetzt. Dieser leitet eine ruhige Passage ein, in der erst eine und dann mehrere Trompeten improvisatorisch "durcheinander" spielen, während Reinholdz die Leidenschaft des Improvisationsspiels des Jazz mit seinen vielen beinhaltenden Melodien besingt. Die Musik löst sich vollständig auf und nur Trompeten und ein sphärisches Rauschen verbleiben. Es ist ein komplexes Unterfangen sich einem musikalischen Thema hinzugeben, dessen Höhepunkt Jahrzehnte zurück liegt. Burst nähern sich diesem an, indem sie eine eigene Interpretation wählen, ohne sich dem populär gewordenen Mathcore zu verschreiben. Es soll auch nicht das einzige Thema des Albums sein, aber der Titel erinnert an einen wiedergeborener Phönix, der seine Flügel spreizt, um über die Weiten der Musiklandschaft zu überqueren.